„Der alte Kantor, von dem Sie mir so oft erzählt haben? Den muß ich kennen lernen. Den bringen Sie mir morgen, und ich will ihm ganz allein alles aus seinem geliebten Mozart vorsingen, was er nur hören mag.“

Es war eine seltsam frohe Stimmung über Helene gekommen, seit sie den Alten gesehen und erkannt hatte. Wie ein lieber Grußbringer aus der märkischen Heimat erschien er ihr. Sie dachte zurück an ihre ersten Versuche bei ihm, dachte dankbar zurück an die entscheidende Stunde, in der er, der Schüchterne, so tapfer vor Vater um ihre Kunst gestritten hatte.

Und dann flogen ihre Gedanken wieder weit weg, nach dem Kriegsschauplatz, zu Gaston. Daß der heut hier fehlte! Wenn er unten gesessen hätte, sie gehört und den Beifall! Sie gehört und gesehen in dem weißen Kleide, das sie nun zum zweiten Male trug, mit so ganz, ganz anderen Empfindungen im Herzen, als damals — als damals —

„Frau von Merivaux!“

Sie sang das Lied der Prascovia aus Meyerbeers „Feldlager“. Wieder tönte der Beifall. Und ein großes Blumenarrangement stand plötzlich vor ihr auf dem Podium, ein mächtiger Korb mit Rosen, den die Kameraden von der Ersatzkompagnie der Gardeschützen geschickt hatten. Nun sah sie auch die wohlbekannten Uniformen unter den Zuschauern, und wieder dachte sie an den fernen Geliebten.

Noch einmal mußte sie auf das Podium.

Frau Harriers hatte darauf bestanden, daß sie das Mignonlied singen sollte. Sie hatte sich ein wenig gesträubt.

Jetzt, während sie das Lied sang, kam ihr die beseligende Empfindung: ‚Du singst es ja für Gaston‘ —

„Dahin! Dahin!

Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehen.