Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehen!“
Dann stand draußen, während im Saal die Eroica-Sinfonie aufklang, die kleine Künstlerschar und umringte Helene. Frau Harriers schloß sie in die Arme: „Ich habe eben Taubert gesprochen. Er ist ganz hingerissen. Liebe Helene — vergessen Sie die Kunst nicht in Ihrem Glück.“
Fast dasselbe aber sagte nachher in seiner schüchternen, schlichten und doch ein wenig überschwenglichen Art der alte Kantor. Er faßte beide Hände Helenens, hielt sie andächtig in den seinen: „Daß ich das erlebe! Liebe, liebe gnädige Frau ... Wenn Sie so recht glücklich sind, dann denken Sie immer daran, daß Ihre Kunst das schönste Glück erhöhen und krönen kann ...“
**
*
Eine Woche noch, und es tauchten Gerüchte auf, daß im Hauptquartier des Königs, in Nikolsburg, über den Frieden verhandelt würde.
Gerade an dem Tage, an dem Helene die erste Zeitungsnotiz darüber las, schrieb Gaston aus Holleschin: „Auf dem Marsch gegen Wien.“ Es war die Antwort auf Helenes Brief. Er rechnete noch fest auf die Fortsetzung des Feldzuges, aber er schrieb kaum von Gefahren und Strapazen: immer wieder nur schrieb er von der Seligkeit, die Helenes Brief in ihm erweckt: „Das ist mein schönster Siegespreis!“
Friede!
Helene hatte bis zur letzten Minute nicht fest an ihn zu glauben gewagt. Sie hatte ihn erhofft, jede Nachricht mit zitternder Spannung verfolgt und doch immer wieder gezagt. Nun jauchzte ihr Herz.
Manchmal in diesen Tagen kam sie sich als recht schlechte Patriotin vor —
Bruder Fritz war bei Königgrätz leicht verwundet und als Rekonvaleszent zurückgekehrt, mußte noch liegen, hatte sich bei Wilhelms einquartiert, um seine völlige Herstellung abzuwarten. Denn dem groben Doktor Tiburtius in Stellberg traute er keine besonderen chirurgischen Künste zu.