„Schlimme Tage für Rußland —“
„Bah! Man merkte davon in Petersburg wenig. Der Russe trägt nicht schwer. Das Land mochte erschöpft sein, aber es war doch durch die Lieferungen sehr viel Geld verdient worden, und der Rubel rollte. Wir hatten fast immer das Haus zum Brechen voll.“
Artenau war längst fasziniert von dem auffallend schönen Brillanten, den der Sänger in der Krawatte trug. Schließlich zwang er sich nicht länger, beugte sich weit vor und meinte mit seiner stockenden Stimme: „Sie haben da einen wunderschönen Solitär ...“
„Seine Majestät der Zar ließen mir die Nadel nach einer Vorstellung des „Fra Diavolo“ überreichen. Übrigens —“ er lachte gleichmütig — „nachträglich hab ich erfahren, daß Seine Majestät mir einen weit kostbareren Stein bestimmt hatten. Aber das geht in Rußland nun einmal so: auf dem Wege von Seiner Majestät bis zu mir wurde der Brillant immer kleiner.“
„Schweinebande!“ rief Doktor Tiburtius dazwischen. „An den Galgen sollte die Gesellschaft.“
„Es ist in der Welt nicht anders. Die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen.“
„Oho! Oho, Herr Schwarz! Bei uns ist’s doch anders. In Preußen gibt’s noch Richter. Bei uns gilt gleiches Recht für jedermann, und wenn wir auf etwas stolz sein dürfen, dann ist’s die Ehrlichkeit unserer gesamten Beamtenschaft.“
Der Sänger verbeugte sich verbindlich: „Ich bin ja selber preußischer Untertan, wenn auch aus einem entlegenen Winkel des Königreichs.“
„Nämlich, wenn man fragen darf?“
„Ich bin dicht an der französischen Grenze geboren, in einem kleinen Ort nahe Saarbrücken.“