„Meine Hochachtung! ’n Mädel ohne Herz. So was läßt der liebe Gott ja gar nicht zu. Na hör mal, Deern, ... und ich dachte doch, der hübsche Gardeschütze, der dich immer mit so großen Gucklöchern ansah, bei uns, bei dem Manöverdiner ... der Neuchateller ... wie hieß das Luderchen doch ...“
„Merivaux, Onkel Grucker. Das ist aber auch das Einzige, was ich von ihm weiß.“
„Merivaux — so! Der Deixel soll die französischen Namen behalten. Sind aber brave Kerle, die Neuchateller. Haben sich als gute Royalisten gezeigt, als die da unten Revolution machten. Anno sechsundfünfzig und so. Ja — Tag, Tante Hufnagel. Meine Hochachtung!“
Madame Hufnagel knixte ganz tief, die beiden Mamsellen knixten noch tiefer, und alle drei lächelten so süß, wie ihre Waren waren.
„Na, nu greif mal zu, Puttchen.“
Helene Hackentin zierte sich nicht. Wie hätte man sich denn auch vor der Bude von Tante Hufnagel zieren können. Sie stopfte ein paar Pralinees ins Kröpfchen und steckte sich die Taschen voll. Rechts ein Paket Schokoladenpfefferkuchen und links den kleinen Karton mit einem Königsberger Marzipanherz. „Siehst du, Onkel Grucker, nu hab ich ’n Herz!“ Famos übrigens, daß die Pelerine links und rechts ordentliche Taschen hatte.
Brrr — brrr schmiß der Graf eine Handvoll Pfeffernüsse über die blonden, braunen, schwarzen Köpfe hin. Es summte in der Luft wie ein Schrotschuß Und die liebe Jugend jagte hinterher, stolperte, schubste sich, balgte sich, lag auf den Pflastersteinen und jauchzte. Grucker aber hatte gerad noch einen Blondkopf an den langen Zöpfen erwischt. „Bist du nicht eine kleine Tiburtia? Die Nas’ kenn’ ich doch! Sperr’s Maul auf und mach die Augen zu. So ... da ...“ Unbarmherzig schob er einen wahren Riesenkloß Mehlweißchen in den aufgerissenen Schlund und wollte sich totlachen, wie das Unglückswurm zwischen Lachen und Greinen biß und schluckte.
„So, Tante Hufnagel ... Schluß. Was kost’t der Kitt? ’n Daler zwanzig ... hier! Bist fertig, Puttchen? Na, denn woll’n wir mal. ’n Abend ... ’n Abend ...“
Und wieder knixte Madame Hufnagel ganz tief, beide Mamsellen knixten noch tiefer, alle drei lächelten so süß wie Marzipan. Helene hakte wieder ein, aber dann besann sie sich und meinte, ein wenig zögernd: „Nun muß ich zu Tante Artenau ...“
„Meine Hochachtung! Nee aber — was willst du denn da? Etwa zusehen, wie die semmelblonde Julie das Kunststück fertig bringt, ein Hühnerei in der Achselhöhle auszubrüten? Pfui Spinne. Komm du man mit zu uns ordentlichen Leuten.“