Es stand ihr auf dem Gesicht geschrieben: ihr war das auch lieber. Aber sie zögerte noch immer, griff in die linke Manteltasche — gut doch, daß der Mantel so schöne Taschen hatte! — krabbelte sich ein Stückchen Pfefferkuchen heraus und steckte es zwischen die Zähne. Gerad noch so viel Platz blieb, daß sie fragen konnte: „Wer ist denn drin, Onkel Grucker?“

„Wer wird denn drin sein, Mademoiselle Neugier? Artenau und Tiburtius und Fritze, dein Bruder Demokrat ... na, und Ernst mit seinem Moskowiter Sänger.“

Es war gut, daß sie nicht über den Straßendamm konnten. Gerad kam nämlich von der Kirche her ein Haufen Menschen mit einer „Moritat“ in der Mitte, und der Mann mit der Schauleinewand pflanzte sich just vor der Apotheke auf. So etwas mußte Grucker sich immer in der Nähe ansehen und anhören, blieb also stehen, sagte lachend: „Meine Hochachtung ... wunderschön!“ und merkte gar nicht, wie Helene aus eigenem Antrieb den Schritt hemmte und daß sie trotzig den Nacken steifte. Bis der Leierkasten sein Lied abgespielt und der Mann das Epos von dem siebenfachen Mord vorgetragen hatte —

„Und so hat in einer Nacht

Er sieben Christen umgebracht“ —

Währenddessen konnte Helene sich besinnen. Sie knabberte dabei langsam ihren Pfefferkuchen auf. Da wären wir ja beinah’ recht albern gewesen, dachte sie. Warum denn nicht? Was geht mich dieser ... dieser Russe an. Nun gerade! Und als Grucker sein Dittchen auf den Sammelteller geworfen hatte und sich wieder in Bewegung setzte, fragte sie: „Also der Rackower Gast? Was ist denn das für ein Menschenkind?“

„Biste neugierig, Puttchen?“

„Bewahre. Ich frag nur so ...“

„Na also, wenn du nur so fragst: er trägt seidne Strümpfe und ’ne Krawattennadel, die ihm der Kaiser aller Reußen geschenkt haben soll. Sonst ’n ganz manierliches Kerlchen, scheint’s. Schmokt auch ’n ganz wundervollen Toback. Meine Hochachtung — wirklich! Weiter weiß meines Vaters Sohn nichts von ihm.“

Da waren sie auch schon in der Offizin.