„So finden Sie es schöner ... schöner als bei uns?“

Er lächelte überlegen. „Das hier ist wie eine Oase. Aber sonst, mon dieu ... nicht so böse Augen machen, bitte ... sonst ist die Mark Brandenbourg ein armes Land.“

„Warum sind Sie denn aber hergekommen?“

„Oh ... warum? Wie können Sie fragen? Weil wir sind Royalisten. Man hat uns geknechtet daheim, die Demagogen haben gesiegt. Aber wir ’alten treu zu unserem Fürsten, zu unserem König. Wir wollen ihm weiterdienen. Vive le roi!“

Sie waren weitergegangen, den breiten Weg zurück. Jetzt blieb Merivaux plötzlich stehen. Er griff mit einer seiner heftigen Bewegungen in die Fliederbüsche, knickte ein paar Zweiglein. „Mein Vater haben sie in prison geworfen, die Revolutionäre, als der Aufstand kam. Dann hat uns Preußen im Stich gelassen ... Politik ... Politik ... was weiß ich. Aber wir bleiben treu ... treu bis zum Tod. Verstehen Sie das, gnädiges Fräulein?“

Helene nickte. Sie fühlte: das war jetzt nicht mehr der kleine lustige Leutnant, der zu ihr sprach. Es war ein Mann, der einer Überzeugung diente. Es stieg heiß in ihr auf. Sie begriff vielleicht nicht ganz. Aber sie empfand: ein Mann, der seine schöne Heimat verläßt, die er über alles liebt, um in der Fremde dem Herrscher mit Blut und Leben zu dienen, dem die Vasallentreue gebührte! Alles um der Treue willen!

Wieder gingen sie ein Stück weiter, schweigend nun.

Da kam ihnen bei der Wegbiegung Herr Schwarz entgegen. Im langen braunen Rock, auf dem Kopf ein winziges Hütchen, in der Hand einen leichten Stock mit goldener Krücke, um den hohen Hemdkragen ein seidenes Cachenez.

Helene sah ihn — und mit einem Male fühlte sie, jäh erschreckend, wie plötzlich all die Sympathie für den jungen, frischen Menschen neben ihr verblich, wie sich all ihre Gedanken widerstrebend dem Sänger zuwandten. Dabei trotzte es in ihr auf: ich will nichts von ihm wissen, ich will nicht — will nicht! Und sie straffte sich, setzte ihre hochmütigste Miene auf.

Herr Schwarz ignorierte beides: die kühle Gleichgültigkeit in dem schönen Mädchengesicht und Abwehr und Verdruß in den Zügen des jungen Offiziers. Der hatte sich schnell eine Gerte aus dem Busch gebrochen und schwippte damit durch die Luft, schlug sich an die Stiefelschäfte.