Doch nun klangen die ersten Töne auf. Schwarz schlug ein paar Akkorde an, dann setzte er ein.
Er sang die große Arie aus „Zar und Zimmermann“: „Einst spielt ich mit Zepter und Krone und Stern ...“
Es wurde still im Raum.
Der spöttelnde Zug erlosch in Helenens Gesicht. Es spannte sich. Sie richtete sich auf, und dann beugte sich ihr schlanker Körper mehr und mehr nach vorn. Und die Hände hoben sich aus dem Schoß, preßten sich gegen die Brust, eng verschlungen.
Großer Gott ... war das denn möglich? Gab es das? Solch eine Stimme! Solchen Wohlklang, solche Kraft ... und solche Kunst! Eine Himmelsgabe, köstlich und wunderbar, gemeistert in edelster Schule! Ein Vortrag, der aus tiefstem Empfinden kommen mußte, der zu dem Herzen sprach, daß es jubeln mußte. Nein, nicht jubeln: stumm lauschen, stumm genießen, in Demut genießen!
Gleich Perlen auf Goldschnur gereiht, so war es, Ton auf Ton. Klar, rein ... erhaben ... groß ... herrlich!
Sie dachte nur: der erste wahrhafte Künstler, den du hörst. Welch eine Gnade ...
Der letzte Ton verklang.
Der Beifall brach los.
Sie hörte ihn kaum. Sie sah nicht, wie Vater klatschte, wie selbst die stille Martha die Hände rührte. Sah nicht, wie Ernst Hackentin sein Bäuchlein trommelte; nicht, wie der Garde-Schütze, der neben Wilhelm hinter dem Stuhl der Mutter stand, die Hände hob, um sie dann gleich sinken zu lassen. Sah auch nicht, wie Tante Marie quer durch den Saal schwebte, trippelnd, raschelnd und lächelnd, am Flügel stehenblieb, dem Sänger zuflüsterte.