„Er muß wohl.“
„Wenn ich an deiner Stelle wär’, Martha — ich stürbe vor Sehnsucht.“
„Es stirbt sich nicht so leicht, du Kind.“
Noch immer klang die Stimme gleich gelassen. Aber die Hände ruhten doch auf eines Atemzugs Länge am Rande der Schlüssel, und die weiße, schmale Stirn hatte sich noch ein wenig tiefer geneigt.
„Du sagst das so: Wilhelm muß! Meine brüderliche Liebe hat an unserer Öde hier nie besonderen Gout gefunden.“
Diesmal sah Martha voll auf. Eine leichte Röte stieg in ihr weiches Gesicht, flutete über den klaren Teint, der vielleicht das Schönste an ihr war, und ebbte gleich wieder ab.
„Das war nicht hübsch von dir, Helene“, sagte sie dann bestimmt. „Du weißt es doch: die kleine Klitsche kann nicht zwei Familien ernähren, und Wilhelm war nicht so ... nicht so vorsichtig, sich eine reiche Frau zu nehmen. Da muß er eben Geld verdienen ... und hat’s gewiß dabei oft schwer genug.“
„Das elende Geld!“ rief Helene. „Das herrliche, das wunderherrliche Geld. Ach Martha ... einmal so recht in Friedrichsdore wühlen können! Scheffelweise möcht’ ich’s haben. So reich sein wie die Rackower, ein großes, glänzendes Haus machen, reisen, die Welt sehen ...“
„Und glaubst du, daß das glücklich macht?“
„Ja! Ja! Mich gewiß. So wie ich nun mal bin. Sieh mich nur strafend an, nenn’ mich nur schlecht! Ich kann mich nicht ändern. Ihr alle könnt mich nicht ändern!“ Heiß hatte sie’s herausgestoßen, mit halblauter, mühsam verhaltener Stimme. Den rostbraunen Haarschopf warf sie zurück, strich sich mit beiden Händen über die Schläfen. Und dann kam gleich der Rückschlag. Die Hände sanken in den Schoß. „Aber wir sind ja hier alle arm wie die Kirchenmäuse. Die ganze Sippe: die Golziner, die Steckschen, die Buckschen. Grad nur die Rackower machen eine Ausnahme, weil die Tante Marquise die Millionen hat. Sonst ... es ist ein Jammer um den elenden märkischen Sand!“