„Jestern ist Sie da nämlich ’n Schlosser aus Ziebinge im Krug gewesen. Der hat’s vertellt. Vor janz jewiß. Nu muß Se mein Willem zur Stellung. Sähen Se, Herr Kantohr, da mächt ik doch jerne wissen, ob’s wirklich seine Richtigkeit haben tut?“
Flehr schüttelte den Kopf. „Metschke, woher soll ich das wissen. Man spricht ja so allerlei. Aber abschaffen ... ganz abschaffen ... daran ist nicht zu denken. Mein ich.“
„Se müßten’s doch eberscht wissen, Herr Kantohr. ’s soll doch schon in die Blätter stehn.“
„Da wird viel geschrieben, lieber Metschke.“
Adolf Metschke ließ endlich den Westenknopf frei, aber er stellte sich dafür in Positur gerade vor den Eingang. Kraute mit dem linken Zeigefinger hinter dem Ohr in seinem flachsblonden Schopf, spuckte aus und meinte: „Dat kann woll stimmen. ’s wär ja och janz scheen, aber ik kann Se nich dran glauben, Herr Kantohr. Ick bin Se selwst Suldat ’wesen. Franzer, Se wissen schon. Na, un so was muß woll sin. Min Willem soll och zu de Franzer, wenn’s so bliewt. Un ’s wird woll so bliewn. Nämlich wie sollt das der Keenig denn machen, wenn die Franzosen kommen und er keine Suldaten nich hat?“
Im allgemeinen beschränkte der brave Flehr sein Bildungsbemühen pflichtgemäß auf die Jugend; bei den Alten war, das hatte die Erfahrung ihn gelehrt, doch Hopfen und Malz verloren. Aber manchmal wandelte ihn doch das Bedürfnis an, auch ihnen gegenüber aufklärend zu wirken.
„Ich sagte Ihnen ja schon, Metschke, an die Abschaffung der Armee denkt niemand im Ernst. Aber es wird wohl von Freunden des Volks erwogen, ob man nicht mit weniger Soldaten auskommen kann oder ob man die Soldaten nicht nur ganz kurze Zeit bei der Fahne behalten braucht.“
Metschke kraute sich weiter hinter dem Ohr. Er sann nach. „’s wäre woll janz scheen so“, meinte er. „Wenn der Willem nich so lang aus de Wirtschaft müßte.“ Pause. „Aber, Herr Kantohr, des jeeht och nich mit sohne kurze Zeit. Des ist man bloß Jerede. Ik bin doch selwst beis Kommiß jewesen, Franzer, Herr Kantohr. Un so aus ’m Pauern, was noch jrün und naß hinter de Ohren is, ’n orndlichen Suldaten machen, das is nich so haste nicht, kannste nich. Da is der langsame Schritt und da is ’s Jewehr un ’s Schieße un die Instruxon un so ...“
Es schien, der brave Metschke hatte starke Lust, seine militärischen Erinnerungen noch lang auszuspinnen. Doch der Kantor wurde ungeduldig. Er zog die große silberne Zwiebel aus der Tasche. „Lieber Metschke, ich muß zum Herrn Rittmeister ...“
„So ... zum ollen gnä’gen Herrn. Den sullt’ man mal fragen. Der weiß Bescheid. De hat die Franzosen aus’m Lande mit rausgeschmissen, un ’s Eiserne Kreuz hätt’ er ...“ Damit gab er endlich den Eingang frei. „Scheen Dank ock, Herr Kantohr ... ick meen, et jeeht nich ...“