Langsam ging Flehr weiter, den geraden breiten Weg entlang, der zur Verandatreppe führte. Zuerst mit einem Lächeln im runzligen Gesicht und mit einem Kopfschütteln über diesen Bauern, über die Bauern überhaupt: die wurden innerlich doch nicht frei, die klebten, klebten wie an ihrer Scholle so an allem, was alt hergebracht war. Und wer weiß: wenn der Schlosser aus Ziebingen etwa wieder im Krug seine neuen Weisheiten zum besten gab, ob ihm dann nicht Adolf Metschke als alter Franzer das Fell tüchtig vollgerbte. Womit vielleicht nicht mal ein Unglück geschah. Denn man mochte noch so liberal denken, ... hm ... daß solche Schwätzer zu wühlen versuchten ... hm ... das konnte man doch nicht billigen.

Allmählich erstarb das Lächeln zwischen den Runzeln und Falten, aus denen das zweimal wöchentlich angesetzte Rasiermesser die grauen Stoppeln nie ordentlich herausbekam.

Was eigentlich der alte Rittmeister nur wollte?

Es war so gar nicht seine Art, jemand zu sich zu bescheiden. Hochmütig war er wahrhaftig nicht. Er ging in die ärmste Hütte, und im Kantorhause hatte er oft genug, fast freundnachbarlich, vorgesprochen.

Was er nur wollte?

Und da saß ja auch schon die alte Gnädige an ihrem Fenster, mit ihrem verschleierten Blick, und nickte auf seinen Gruß ganz eigen — schon von weitem. Die alte Gnädige! Ja ... als man nach Rohlbeck gekommen war, da war sie noch jung gewesen und schön und lustig. War vierelang gefahren, mit dem Diener auf dem Bock. Die Zeiten hatten sich geändert; besser waren sie nicht geworden, auch nicht für die Herrschaft. Eigentlich zum Gotterbarmen. Wirklich verschwendet hatten die Hackentins nie, aber das schöne Vermögen zerrann ihnen doch unter den Händen. Wirtschaften konnten sie nicht. Freilich — ein Armer klopfte auch heut noch nicht vergebens im Schloß an. Und wenn man’s recht überlegte: auch im Kantorhause hatten sie oft genug geholfen ...

Was nur der alte Rittmeister wollte?

„Herein!“

Das kam ganz in Rittmeisterton aus der großen Stube.

„Na, da wären wir ja also, Herr Kantor ...“