„Der Rittmeister und Fritz haben sich gründlich brouilliert. Kein Wunder: Fritz ist dem liberalen Wahlverein beigetreten. Ein Hackentin. Eigentlich wirklich ein Skandal. Die Politik ...“
Ach, was ging sie die Politik an. Heut abend hörte sie die „Letzte Rose“ ...
Sie saßen in der Fremdenloge. Vorn Tante Marie und Helene, dahinter Onkel Ernst. Und kaum hatte er die Bühne betreten, so wußte sie, daß er sie bemerkt hatte — wußte: heut singt er wieder nur für dich. Nur für dich. Mag das ganze Haus ihm zujubeln und toben: er singt nur für dich! Nur für dich!
Es versank alles vor ihr. All der Firlefanz dort oben zwischen den gemalten Kulissen. Sie sah auch nicht darauf hin, sah auch kaum ihn. Nur hören — lauschen — lauschen —
Heut zum ersten Male schmolz auch ihre Abwehr, schmolz ihr Stolz. Nichts war in ihr als ein läutendes reines Glücksklingen.
Bis der Vorhang zum letzten Male fiel.
„Na, kleine Enthusiastin! War’s schön?“ meinte Onkel Ernst, während der Logenschließer ihm in den Pelz half. „Mariechen, wir fahren gleich nach dem Hotel. Schwarz kann in einer Viertelstunde auch dort sein.“
Zuerst verstand sie nicht. Dann bäumte es sich in ihrem Herzen auf. Ihn wiedersehen! Heute noch ... nach diesen Stunden! Fast wie eine Unmöglichkeit erschien es ihr. Als ein Traum, als unfaßbares Glück, und doch bebte und zitterte sie vor der Minute, in der seine Augen den ihren begegnen, seine Hand die ihre fassen würde.
„Wer kommt denn noch, Ernst?“
Onkel Ernst nannte ein paar Namen, gleichgültige Namen. Offiziere wahrscheinlich, Diplomaten. „Merivaux hat abgeschrieben. Die Gardeschützen haben eine große Übung im Terrain.“