Merivaux! Richtig ... der Neuchateller. Ja — so! Mein Gott, wie gleichgültig das alles war.

Und dann, schon im Wagen, mußte sie es doch sagen: „Tante Oschitz wird ungehalten sein. Ich möchte lieber nach Hause.“ Sprach’s, wußte, daß es Lüge war und doch auch Wahrheit.

Es war zu dunkel, als daß die Rackower die Blutwelle hätten sehen können, die ihre Wangen überflutete. Das Rollen des Wagens übertönte den angstvoll zitternden Ton ihrer Stimme. Onkel Ernst sagte nur: „Ach du Schäfchen ...“

Ein paar Minuten darauf stand sie im Salon des Hotel de Rome. Es wurden ihr ein paar Herren vorgestellt, sie hörte die Namen nicht. Man sagte ihr einige Artigkeiten, sie fand nur ein Lächeln. Das Herz klopfte ihr bis in den Hals hinauf.

Dann war er mit einem Male da. In der Tür stand er, im Frack mit weißer Binde, sah sich um, suchte sie ... ja ... suchte sie ...

Sie las auf seinem Gesicht noch die Erregung der Bühne. Dann ein ganz leichtes, fast unmerkliches Kopfneigen zu ihr hinüber, ein frohes Lächeln: ‚Da bist du ja ... ich bin so glücklich, daß du hier bist ...‘ und er trat zu Tante Marie, küßte ihr die Hand.

Tante Marie hielt Cercle. Sie saß am Kamin, als einzige Dame; die Herren standen um sie herum, plauderten, Deutsch und Französisch. Nun winkte sie mit dem Fächer: „Helene ...“

Wie schwer ihr die wenigen Schritte wurden. Als ob sie Blei an den Sohlen trüge; und sie hätte doch fliegen mögen.

„Mignonne, Herr Schwarz wollte dich begrüßen.“

Wortlos stand sie, knickste, unbewußt, was sie tat, fühlte seine Hand, empfand seinen Blick, wagte die Augen nicht zu erheben. Ihn nicht anzusehen. Denn sie fühlte: siehst du ihn an, jetzt an, so weiß er, daß du sein willenloses Geschöpf bist, für immer und ewig.