Das war ein Punkt, auf den der Pastor das Gespräch nur ungern lossteuern sah. Denn das ging auf Fritz Hackentin, des Rittmeisters Zweiten, der erst Leutnant bei den Franzern gewesen war, dann zur Themis geschworen hatte und nun als Kreisrichter in Stellberg saß. Ein guter Junge, aber ein unruhiger Kopf. Etwas unruhiges Blut hatten die Rohlbecker Hackentine ja alle. Das kam von den Gruckers herüber, in denen nun mal der romantische Zug lag. Wenn man so daran dachte: als die alte Gnädige jung gewesen war, als sie noch vierelang fuhr und selber kutschierte —
Aber auf den Fritz durfte Hackentin nicht zu sprechen kommen. Das wurde sonst ungemütlich, und dazu war der Abend zu schön.
Zum Glück waren sie gerade unter der letzten Kastanie angelangt. Drüben stand der Kantor in seiner Haustür, der lange Labammel, dürr wie die endlose Pfeife, aus der er qualmte. Kaum, daß er sie aus den Zähnen zog, um seinen Gruß anzubringen.
„Na, Flehr, was macht der Bakel?“ rief Hackentin über die beiden Zäune hinüber.
„Danke, Herr Rittmeister. Wie das Sprichwort sagt: Wer den Stock fürchtet, kann nur mit dem Stock regiert werden. Man braucht ihn eben.“
„Ja, Kantor, vielleicht waren’s bessere Zeiten, als man ihn mehr brauchte. Das heißt — nicht bloß in der Schulstube.“
„Ich weiß nicht, Herr Rittmeister, ob das bessere Zeiten waren.“
„Vielleicht erfahren Sie’s noch.“ Hackentin wandte sich. Halblaut, etwas unwirsch meinte er zu seinem alten Freunde: „Der ist auch schon angesteckt, liest mit dem Grunowschen Müller zusammen die ‚Tribüne‘. Du solltest ihm mal feste den Daumen aufs Auge drücken, Heckstein —“
„Er ist nicht der Schlechteste. Seine Bengels hält er stramm in Ordnung, mit und ohne Rohrstöckchen, je nachdem. Sie lernen bei ihm gerade richtig: nicht zu viel und nicht zu wenig. Und solchen Chor in der Kirche, wie er ihn zurechtgebracht hat, wirst du im ganzen Kreise vergeblich suchen. Von der Musika versteht er was. ‚Meine Hochachtung‘, würde dein Schwager Grucker sagen. Na, und was die politische Gesinnung anbetrifft, ... du kennst ja meine Ansicht: das kommt und geht. Wenn wir ein paar Jährchen weiter sind mit Gottes Hilfe, lachen wir beide wohl über die Aufregung von heute. Denn, weißt du, im Grunde ist alles, was brandenburgisch ist, doch loyal bis auf die Knochen.“
Der Alte grollte: „Das haben wir achtundvierzig gesehn ...“