„Das mag wohl sein, und er wird wissen, wie er es mit sich und Gott abmacht. Du mußt mich nicht falsch verstehen, Helene: ich richte nicht. Ich spreche nur ein subjektives Empfinden aus. Und nun ist’s wohl genug von diesem Herrn Schwarz —“
„Deine Frau Tante ist doch ein Drachen,“ sagte Alfred, als sie sich am Tage darauf trafen. „Sie hat mich kaum eines Wortes gewürdigt. Ja und Nein war ihre Rede, und es fehlte nur das Amen. Das wird wohl gefolgt sein, mit drei Kreuzen, als sich die Tür hinter mir geschlossen hatte.“
Es klang sehr verletzt, und sie fand nicht den Mut, ihm ein Wort zugunsten von Tante Oschitz zu sagen.
„Helene, Schönste, Liebste — könntest du nicht einmal zu mir kommen? Du kennst meine kleine Wohnung ja gar nicht, weißt nicht, wie ich hause. Ich denke es mir so reizend, dir eine Tasse Tee zu bereiten, bei mir, echt russisch, auf einem riesigen Samowar.“
Sie schloß die Augen und schüttelte den Kopf.
„Sei nicht so klein, Helene ...“
Wieder schüttelte sie den Kopf.
Er kannte das schon: sie gab eigentlich immer nach, aber bisweilen grub sich zwischen ihre Brauen ein Fältchen des Eigenwillens ein, dabei spannte sich ihr Nacken, sie schloß die Augen, als wollte sie ihn nicht ansehen — dann war jedes Wort vergeblich.
„Liebste Närrin! Ich hab übrigens noch einen anderen Vorschlag. Eine Entdeckung hab ich neulich gemacht —“
Seitdem trafen sie sich meist in einer winzig kleinen Konditorei in der Bendlerstraße. Nur ein Katzensprung war’s von der einsamen Insel, und doch waren sie hier sicher vor jeder Entdeckung. Denn die Konditorei war jetzt, im Winter, nur während der Mittagsstunden einigermaßen besucht, von den Eisläufern, die sich hier bei einem Glase Punsch ein wenig aufwärmen wollten.