Tante Marianne war vollauf beschäftigt. „Nimm aber den Pelzkragen, Kind!“ sagte sie nur zerstreut und hatte schon wieder einen kleinen Blondkopf beim Wickel, band ihm zur Probe ein paar feste wollene Ohrenklappen über das Flachshaar.
Jetzt war es an der Zeit. Jede Minute war kostbar, jede Minute ein Weihnachtsgeschenk. Im Nu hatte sie den Mantel um, den Kapotthut auf, eilte die Treppe hinunter.
Da stand Harro im Flur. Gerade vor der Haustür, breitbeinig, mit seinem finstersten Gesicht.
„Du willst fort, Helene? Heut? Jetzt? Am Heiligen Abend?“
„Nur zu Frau Harriers-Wippern.“
Das Lügen war nicht so leicht wie vorhin. Der Junge hatte ein paar Augen, die dreinschauten, als wollten sie einen durchbohren.
„Sie hat mich zur Bescherung gebeten. Ich komme gleich zurück, lieber Harro.“
„Ich bringe dich —“ Er griff schon nach dem Kleiderrahmen an der Wand.
„Nein, das gebe ich nicht zu. Du darfst jetzt nicht von Tante fort.“
„Wir kommen ja gleich zurück.“ Fast höhnisch klang’s, wie er das „gleich“ betonte.