Sie antwortete nicht gleich, sie begann auszuschreiten.
„Es gibt Dinge, Harro, die man auch dem besten, liebsten Freunde nicht mitteilen darf. Stimmungen gibt es und Kämpfe, die man nur selber durchringen und überwinden kann.“
Er nickte, rasch hintereinander, ein paar Male, als ob er gleich empfinde. Doch dann trotzte er wieder auf. „Das ist nicht die richtige Freundschaft!“
„Wir wollen’s der Zeit überlassen, Harro.“
Sie gingen schneller, und er merkte wohl, daß sie ihm auswich. Jetzt schwieg auch er. Biß wieder die Zähne aufeinander, stopfte beide Hände, zur Faust geballt, trotzend in die Manteltaschen, ließ den Kopf tief hängen, und unter der Pelzkappe zog sich das krause Faltengewirr über die Stirn. Einmal kam etwas wie ein bitterer Lachton zwischen den geschlossenen Lippen hervor.
‚Nun ist er doch wieder ganz der törichte Junge‘, dachte sie. ‚Gottlob! Töricht und dabei so lieb, so lieb!‘
Und da waren sie auch schon dicht an der Tiergartenstraße. Durch die Bäume schimmerte grau die einsame Insel mit dem roten Ziegeldach darüber.
‚Ein gutes Wort mußt du ihm doch noch sagen ...‘
Die Hand streckte sie ihm hin. „Schlag ein, Harro! Also auf gute Freundschaft!“
Er sah auf. Ganz dicht standen seine Brauen aneinander. Er zögerte, rang mit sich. Die Fäuste kämpften in den Manteltaschen: sollen wir oder sollen wir nicht? Die Oberzähne nagten an der Lippe.