Was wollte sie mehr? Was wollte sie mehr! Nichts — nichts — nichts!

Dann zog er ihr kleines Weihnachtsgeschenk heraus: „Das ist mein treuer Begleiter gewesen“, sagte er.

Nun hatte sie ihm längst die Kunst abgelernt, zwischen spitzen Fingern eine Zigarette zu drehen. Er lachte jedesmal, wenn sie ihm die hinhielt, daß er sie anfeuchte. „Nein, daß mußt du tun — schmeckt besser so!“ Und sie lachte wieder, ließ die Zunge vorsichtig über den Papierrand gehen. „Jetzt rauche auch du ein paar Züge!“ Das konnte sie nicht, das lernte sie nicht. Versuchte es, ihm zuliebe, und erstickte fast. „Kleine Deutsche — du!“ spöttelte er. „Da waren meine russischen Freundinnen erfahrener.“ Sie zog ein Gesichtchen. „Aber Lene! Tempi passati! Du bist doch nicht eifersüchtig?“ — „Rasend eifersüchtig könnte ich sein.“ — „Ach geh! Das ist ja immer eine Dummheit.“

Ein paar Augenblicke sah sie wortlos vor sich hin. Dann schlang sie jäh die Arme um seinen Hals und küßte, küßte ihn.

Fast täglich sahen sie sich nun. Aber meist nur wie im Fluge, auf karge Minuten. Seine Zeit war sehr knapp, er studierte ein paar neue Rollen, hatte mancherlei gesellige Verpflichtungen. Auch ging er nicht mehr so gern wie ehedem in die kleine Konditorei; er behauptete, das gute Kuchenfräulein fiele ihm auf die Nerven und der süße Dunst in dem winzigen Lokal wäre schier unerträglich jetzt im Winter, wo nie gelüftet würde.

„Warum kommst du nicht endlich einmal zu mir? Ich habe dich so oft gebeten. Nachgerade — weißt du, Helene — empfinde ich es fast wie einen Mangel an Vertrauen.“

Ein paar Male sagte er das. Aber sie antwortete nie. Immer straffte sich dann ihr Nacken, und sie bog den Kopf zurück mit dem ablehnenden, abwehrenden, eigensinnigen Ausdruck, den er schon kannte.

Einmal hatten sie sich im Vorzimmer von Frau Harriers-Wippern verabredet. Er mußte ein wenig warten, die Unterrichtsstunde schien sich auszudehnen. Als Helene herauskam, sah er, daß sie geweint hatte. „Nun?“ fragte er. „Was hast du denn?“

Erst wollte sie nicht recht mit der Sprache heraus. Endlich gestand sie, daß Frau Harriers mit ihr nicht mehr so zufrieden wäre wie früher, ihr leise Vorwürfe gemacht hätte: sie sei nicht aufmerksam genug, übe auch wohl nicht mehr so fleißig wie ehedem. Es schien Helene sehr nahegegangen zu sein.

„Ach — bah!“ machte er. „Jeder Lehrer muß gelegentlich tadeln. Aber wenn sie schon recht hat: warum hat denn dein Eifer nachgelassen?“