Niedergeschlagen ging sie zur Tür hin, wo der Eimer stand. Aber noch immer sagte die Großbäuerin nichts wegen des Eimers. Unschlüssig blieb sie stehen; sie hatte wirklich so viel Gutes bekommen, daß es nicht gut anging, sie geradezu an die Milch zu erinnern, aber viel lieber hätte sie etwas von der reichen Bewirtung entbehrt, als daß sie ohne Kaffeemilch zur Mutter heimgekommen wäre.
Sie hob das Bündel auf, steckte die Nasenspitze in das Schaltuch hinein, damit Kjersti nicht sehen sollte, daß ihr die Tränen in die Augen traten, als sie sich endlich bückte, um den leeren Eimer zu fassen.
Da sagte Kjersti:
Aber da hätte ich ja wahrhaftig beinahe ganz vergessen, dich zu fragen, ob du nicht mit mir tauschen willst, wenn du für deinen Eimer einen andern bekommst, der der Art ist, daß er überhaupt nie leer wird. Willst du?
Sidsel ließ den Eimer fallen. Wohl hatte sie heute viel Wunderbares gesehen und gehört, wovon sie niemals eine Ahnung gehabt und desgleichen sie noch nie gesehen hatte! Aber daß Kjersti nun gar einen Eimer hatte, der nie leer wurde! — Sie blieb mit offenem Munde stehen.
Jedenfalls mußt du ihn dir ansehen — er steht draußen vor der Tür.
Sidsel war nicht faul, hinauszukommen.
Kjersti folgte ihr. Da stand die Dienstmagd und hielt die große Ziege, Krummhorn, an der Leine.
Kjersti sagte:
Sie ist die Leine gewohnt; ich denke also, sie wird schon mit dir gehen. Und nun grüß mir deine Mutter und frag sie, ob sie mit dem Eimertausch zufrieden ist — und sie wurde nicht einmal böse, daß Sidsel Langröckchen ganz vergaß, danke zu sagen, als sie mit Krummhorn von dannen zog, während Bär sie ein langes Stück Wegs begleitete; denn was hier vor sich ging, das ging über seinen Verstand.