Ho—i—ho! Es war Sidsel Langröckchen; als sie hörte, daß sie ihre Herde mit forttreiben wollten, da meinte sie sich denn doch zu erkennen geben zu müssen, obschon es ihr furchtbar unangenehm war.
Die Buben blieben aufs äußerste überrascht stehen. Dort hinter dem Erdhaufen wuchs ein kleines, winziges Wesen langsam empor, wie ein richtiger, kleiner Bergkobold mit karriertem Halstuch und einem weiten, viel zu langen Weiberrock, blieb unbeweglich stehen und starrte sie mit großen, verlegenen Augen an.
Auch sie wurden etwas verlegen; da waren sie hergelaufen gekommen, hatten grobe Worte gebraucht gegen so ein armes, kleines Geschöpf! Aber ärgerlich wurden sie auch. Sie hatten sich schon auf einen gleichaltrigen, ebenbürtigen Kameraden gefreut.
Da konnte man sehen, daß ein Frauenzimmer auf Hoël das Regiment führte, nicht einmal einen Hirtenbuben hatten die!
Wäre es wenigstens noch ein ordentliches, großes Frauenzimmer gewesen, ihretwegen größer, als sie selbst waren; die hätten sie wenigstens veralbern und jagen können — aber mit dem Rumpelstilzchen da! Nein, erwachsene Burschen mußten sich ja schämen, mit so einem Ding sich zu befassen; gegen diesen Zwerg konnten sie doch wirklich weder Mundwerk noch Fäuste gebrauchen. Aber immerhin, mit ihr reden und sie aushorchen, ob nicht doch vielleicht späterhin ein andrer Hirt käme, mußten sie gleichwohl, und dann brauchten sie sich nicht weiter um das Mädel zu kümmern; sie mußten sich eben heuer den Sommer die Zeit allein vertreiben.
Nur ein bißchen Angst machen wollten sie ihr, damit sie ihnen vom Leibe blieb.
Sie kamen heran und stellten sich, die Hände in den Hosentaschen, herausfordernd vor Sidsel auf. Der eine sagte:
Du bist’s also, die heuer Hirtin auf Hoël sein soll?
Ja — und sie setzte, wie um sich zu entschuldigen, rasch hinzu, ja, es war Kjersti selber, die es so haben wollte.
Wie heißt du denn?