Sidsel hat noch immer zu kleine Fäuste, um Kühe zu melken, deshalb haben sie die Arbeit so unter sich verteilt, daß sie die Ziegen allein zu melken hat.

Da schallt es plötzlich von der Anhöhe über der Senne: Ho—o—i—ho!

Gleich darauf antwortet es ein wenig weiter weg und fast ärgerlich: Ho—o—i—ho!

Sidsel sieht auf, horcht; dann lächelt sie stillvergnügt, geht an den Zaun hin und ruft: Ho—o—i—ho!

Jetzt kann auch sie juchheien, daß es von allen Hängen und Höhen widerhallt; nun zittert ihre Stimme nicht mehr, wenn sie den großen Burschen antwortet.

Jetzt weiß sie, sie kommen nur, sie abzuholen, und daß sie heute mit ihrer Herde bis zur Senne hinunterkommen, hat seinen guten Grund, sie haben etwas besonderes vor; sie haben es mit ihr und der Sennerin verabredet. Und Sidsel kann es am Schellenklang hören, wie sie ihr Vieh mit aller Macht antreiben, und daß der, der zuletzt kommt — es ist doch wohl der Peter — ärgerlich darüber ist, daß er nicht der erste ist.

Doch sie mögen nur warten, bis sie fertig ist; sie kommen ja auch heute furchtbar zeitig.

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Wie es nun auch zugegangen sein mochte, lange hatte es nicht gedauert, da war Sidsel der vornehmste Hirt auf der Hoëlalp geworden. Schon am nächsten Tag waren sie gleich unten am Abhang zu ihr gestoßen, Peter zuerst und dann Jon, und es war wie selbstverständlich, daß sie mit ihnen ging, dann könnte sie ihre Herden hüten, während sie badeten, meinte Jon. Ja, das meinte Peter auch, und so tat sie es denn.

An diesem Tage blieben sie aber nicht so lange weg, es war, als mache es ihnen nicht mehr das alte Vergnügen, zu baden und zu zweien allein zu sein.