Als alles nichts nutzte, hielt sie es schließlich für das beste, nach Hause zu gehen.
Das war das erste und letzte Mal, daß Sidsel ohne Herde heimkam.
Aber daheim auf der Alp lag das Vieh bereits friedlich im Viehgatter und blökte und meckerte — die klugen Tiere waren von selber heimgelaufen. Der Pferdeschwarm war auch dort, weidete und leckte das Salz, das die Sennerin gestreut hatte.
Am späten Nachmittag kamen auch die Sennerinnen von den Nachbarsennen und fragten nach ihren Hirten; deren Herden waren auch dort schon lange allein nach Hause gekommen.
Endlich kamen denn auch Jon und Peter mit Krummhorn angezogen.
Als die Sennerinnen sie tüchtig auslachten, schämten sie sich auch etwas; daß sie ihre Herden verloren hatten, konnten sie ja nicht leugnen; aber niemand konnte deshalb sagen, sie kämen ohne Vieh nach Hause, selbst wenn es vielleicht etwas komisch aussehen mochte, daß zwei lange Hirtenbuben mit einer einzigen Ziege angezogen kamen, so groß und stark die auch war.
Ja, heute hätten sie wirklich Pech gehabt, meinte Jon, aber sie sollte nicht so leichten Kaufs davon kommen. Morgen wollten sie das Vieh wieder vornehmen — und da sollte sie was erleben!
Daraus wurde jedoch nichts. Krummhorn war klüger als sie. Als sie sie losgelassen hatten, blieb sie mit weit vorgestrecktem Hals stehen und sah nach dem Pferdeschwarm hinüber, der gerade davontrabte. So stand sie eine Weile. Dann schlug sie plötzlich mit den Hinterbeinen aus, wie ein richtiger Gaul, und weg war sie.
Die Sennerinnen und die Hirten blieben mit offenem Munde stehen, als sie sahen, daß Krummhorn sich den Pferden anschloß.
Bildete sich das Tier nun gar noch ein, ein Pferd zu sein!