Der Herbst geht, die Flur entfärbt sich; von den Bäumen fällt das Laub, kahl strecken sie ihre Äste in die kalte Luft, und die Getreidediemen stehen wieder leer und schief auf den Feldern.
Nun gibt es im Freien kein Futter mehr für das Vieh, und die Zeit des Schlachtens kommt. Das ist für den Hirten des Jahres letzter Tag; an dem Tage hört seine Verantwortlichkeit auf; von nun an ist er nicht länger mehr etwas für sich selbst, jetzt muß er überall mit aushelfen, wo es notwendig ist. Und wenn der Winter mit den langen Abenden kommt, an denen das offene Feuer vom Herde über die große Stube leuchtet, während die Wollkämme gehen, die Spinnrocken ununterbrochen schnurren und die Knechte aus Reisern Besen binden und Deichselnägel und Beilschäfte schnitzen, da soll der Hirt beim Holzhaufen sitzen oder auch auf dem Reisighaufen und auf das Feuer aufpassen, damit alle gut sehen können, während er dabei seine Schulaufgaben lernt.
Dort beim Holzhaufen auf Hoël hatte nun auch Sidsel an langen Winterabenden ihren Platz. Sie lernte eifrig und horchte auf das Gespräch der Erwachsenen und vernahm soviel neues, daß die Abende doch noch zu kurz und der Tage zu wenige waren. Und ehe sie sich dessen versah, war es wieder Frühling geworden, und als sie nachschaute, da reichte ihr der lange Rock kaum noch bis über die Waden.
Auf der Herspitze.
Eines Morgens — es ist wieder Hochsommer, und die Sonne strahlt über allen Bergen — ertönt plötzlich schrilles Rufen dreier Hornpfeifen auf der Halde vor der Hoëlsenne, ein dünner, feiner Pfiff und zwei gröbere.
Das ist das Zeichen zum Abmarsch; heute wollen Sidsel, Jon und Peter auf die Herspitze und sich den Platz ansehen wo seinerzeit der König gewesen ist.
Nun haben auch die Hirtenbuben ihre Ziegenhornpfeifen bekommen, und zwar solche, die auch wirklich etwas taugen; denn Sidsel hat Wort gehalten, sie hat die Hörner Krummhorns mitgebracht und jedem eines gegeben.