Ja, das tut er.

Sie blieben sitzen und schauten; es dauerte schrecklich lange. Es ist so merkwürdig, wenn man im Gebirge einen auf sich zukommen sieht; er geht und geht — man kann sehen, er geht sogar rasch — aber er kommt trotzdem wie gar nicht näher, er wächst ganz langsam, die Entfernungen sind ja so groß. Das Vieh stand auf und machte sich auf den Weg bergabwärts in der Richtung auf die Senne zu; sie aber wollten noch sitzen bleiben; bis er herangekommen wäre. Endlich war er oben angelangt.

Ganz richtig — er suchte die Nordrumpferde. Er erfuhr, was sie wußten; fand er sie nun heute nicht, so fand er sie sicher morgen.

Als das erledigt war, fragte er:

Bist du nicht die, die Sidsel Langröckchen heißt?

Freilich, das bin ich.

Da soll ich dich vom Jakob, deinem Bruder, grüßen. Hier habe ich einen Brief von ihm. Ich sollte auch Antwort bringen; aber das hat Zeit bis morgen — ich komme auf die Hoëlsenne und bleibe dort über Nacht, ob ich die Pferde finde oder nicht, aber ich muß mich vorm Abend noch etwas umsehen, damit ich sicher bin, daß die Pferde nicht doch auf dieser Seite der Senne sind. Damit ging er.

Sidsel saß auf dem Königstisch. Es war das erste Mal, daß sie überhaupt einen Brief bekam; — ja, auch Jon und Peter war das noch nie passiert. Ganz überwältigt standen sie da und in geziemender Entfernung.

Salve Titel. An die wohlehrbare Jungfrau Sidsel Jakobs Tochter Langröckchen auf Hoëlsenne, Westgebirge. Bei Gelegenheit. Mit Boten. Franko, stand auf dem Umschlage.

Sie brach feierlich das Siegel und öffnete das Schreiben. Darauf las sie halblaut: