Nordrum Senne, den 15. dieses.

Salve Titel Jungfrau Sidsel Langröckchen.
Gute Schwester!

Anläßlich, daß die Zeit es mir erlaubt, nehme ich nun die Feder in die Hand und schreibe an Dich und erzähle Dir, daß ich Dir nichts zu erzählen habe. Mit Ausnahme, daß es lange her ist, seit ich Dich gesehen habe. Aber ich habe einen Tag vom Hans zu gute. Ich hütete für ihn, als er zu Hause war und seine Mutter in die Grube brachte. Es waren aber eigentlich zwei Tage, ich rechne es aber bloß für einen, da es seine Mutter war. Und nun will ich den Tag von ihm am erstkommenden Sonntag dieses nehmen. Falls Du aber einen Tag beim Peter oder Jon zu gute hast, so will ich an Dich schreiben und Dich fragen, ob Du nicht den nun von ihnen bekommen könntest. Aber falls Du keinen hast, so kannst Du ihn Dir trotzdem nehmen, weil ich stärker bin, aber ich meinte es nicht böse, als ich den Peter im Winter durchhaute. Dann wollte ich Dir aber schreiben und Dich fragen, ob wir uns nicht daheim im Guckausschloß treffen könnten; denn ich bin seitdem nicht wieder dort gewesen. Man wird ersucht, sich rechtzeitig einzufinden. Bring was zu essen mit.

Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst
Jakob, Jakobs Sohn, Nordrum.

U. A. w. g.

P. S. Um Antwort wird gebeten.

An diesem Abend saß Sidsel lange auf und schrieb das Antwortschreiben, und ihre Zungenspitze schrieb mit. Ihr Brief lautete folgendermaßen:

Hoëls Senne, den 17. dieses.

An den
Junggesellen Jakob Jakobs Sohn, Nordrum.
Guter Bruder!

Ich will nun einige Worte an Dich schreiben und Dir für Deinen sehr willkommenen Brief danken, welchen ich richtig empfangen habe. Es freut mich sehr, zu hören, daß Du bei guter Gesundheit bist, und dasselbe kann ich auch von mir berichten, ausgenommen Zahnschmerzen. Aber ich will gerne kommen, und die Sennerin sagt, ich darf die Nacht über fortbleiben, da es so weit ist. Und dann kann Jon und Peter jeder seinen Tag bekommen. Denn ich hatte keinen zu gute. Aber sie hauten sich diesbetreffend, aber Peter ist fast ebenso stark.