Beide sahen auf, als die Tür geöffnet wurde.
Sidsel blieb einen Augenblick stehen, machte dann einen so tiefen Knix, daß sie in dem weiten, langen Rock förmlich untertauchte, und sagte wie eine Erwachsene, genau wie sie die Mutter hatte sagen hören: Guten Tag, lieben Leute, Gott segne eure Arbeit!
Kjersti Hoël mußte lächeln, als sie das winzige Ding an der Tür wie eine Erwachsene reden hörte, aber dann sprach sie ebenfalls wie zu einer Erwachsenen. Guten Tag, fremde Jungfer, geht sie Gänge?
Ja, so ist es.
Wie heißt denn die Jungfer, und wo kommst du her? ich sehe, ich kenne dich nicht.
Nein, das ist wohl nicht anders zu erwarten; aber meine Mutter und der Jakob nennen mich Sidsel Langröckchen; und ich bin von Schloß Guckaus, und ich sollte für Mutter mit dem Wollgarn hierher gehen, das sie für dich gesponnen hat, und sollte dir sagen, sie hätte nicht eher damit kommen können, da sie erst gestern spät abends den letzten Wickel anscheren konnte.
Nein, ist es die Spinnfrau, die Gänge geht! Und ich vergesse rein, dich zu bitten, Platz zu nehmen. Nun lege nur ab und setze dich!
Wie leutselig Kjersti Hoël war. Stand sie doch sogar auf und brachte ihr einen Stuhl!
Danke, ich bin so frei.
Sidsel nahm den Eimer und das Garnknäuel herunter und setzte beides bei der Tür nieder. Darauf begann sie über die Diele zu gehen. Ihr war, als wollte der Weg bis zum Stuhl gar kein Ende nehmen — bis hin zum Stuhl war es fast ebenso weit, wie zu Hause von der Haustür bis zum Kuhstall! — Endlich kam sie glücklich ans Ziel und vermochte sich mit Mühe und Not bis auf die äußerste Kante des Stuhles hinaufzuschieben; der Stuhl war auch viel höher, als sie es gewohnt war.