Dann laß uns hier auf dem Steine auftischen!
Kurz darauf hatte Sidsel all’ die guten Eßwaren, die Kjersti ihr in das Bündel eingepackt hatte, aufgetischt, und nun sagte sie, wie sie gehört hatte, daß allgemeiner Brauch ist, wenn man Gäste hat:
Bitte, Jakob, nimm Platz, wenn dir’s gefällig ist, und Jakob zierte sich, wie es auch gebräuchlich ist, und sagte:
Danke, aber du hättest meinethalben wirklich nicht so viel Umstände machen sollen.
Sie setzten sich. Anfangs ging es immer noch etwas feierlich zu, und Sidsel sagte in einem fort: bitte, bitte! Als aber Jakob eine Plinse gegessen hatte und eben mit der zweiten anfing, vergaß er, daß er eigentlich zu Gaste war, und sagte unwillkürlich ganz natürlich und mit Überzeugung:
Das sind aber wundervolle Plinsen.
Sie sind aber auch von Hoël, sagte Sidsel.
Da war es auf einmal, als ob sie sich wieder kannten, als ob sie erst gestern noch am Fensterchen im Guckausschlosse nebeneinander gekniet und über das Tal hinausgeschaut und überlegt hätten, wo sie am liebsten einmal dienen wollten, und gerade so, als ob sie überhaupt niemals von einander getrennt gewesen wären — einen Augenblick später waren sie im eifrigsten Streit darüber, wo es wohl am besten sei, auf Nordrum oder auf Hoël. Ganz einig konnten sie hierüber zwar nicht werden; als aber Jakob sich ordentlich satt gegessen hatte, gab er schließlich soviel zu, daß beide Höfe in ihrer Weise gut wären und jedenfalls die besten in der ganzen Gemeinde.
Und nun wollte das, was sie zu besprechen und sich zu erzählen hatten, gar kein Ende nehmen. Jakob erzählte von Nordrum und von der Nordrumsenne und den Hirten da oben, und Sidsel mußte von Jon und Peter erzählen und deren Grüße ausrichten; und sie hatte viel von ihnen zu erzählen; Jakob fand es aber sonderbar, daß sie mehr von Jon, als von Peter sprach; Jon wäre ja wohl ein ganz tüchtiger Bursche, aber er könnte doch manchmal recht flapsig sein.
Und dann sprachen sie von ihrer Zukunft. Jakob wollte auf Nordrum bleiben, bis er erwachsen wäre, und vielleicht noch länger. Der Nordrum hatte gesagt, wenn er erwachsen wäre und sich verheiratete, dann könnte er ja Guckaus als Eigengut wieder erwerben; aber das, glaubte er, war doch wohl bloß ein Spaß vom Nordrum gewesen, und außerdem war ja immer noch Zeit genug, sich das zu überlegen; denn der Nordrum fing an zu altern, er mußte wohl doch mit der Zeit einen Großknecht haben. Sidsel wollte auf Hoël bleiben; sie hatte es dort so gut, wie sie es sich überhaupt wünschen konnte; Kjersti war ja so außerordentlich lieb und gut zu ihr. Sidsel sagte kein Wort von ihrem stillen Ehrgeiz, einmal selbst Sennerin zu werden; denn das lag in so weiter Ferne, daß sie sich nicht daran zu denken traute.