Sie lachte.
„Ich hatte ihn aber abgezogen,“ erwiderte sie eifrig, „ich wollte ihn zu dem Juwelier dort drüben tragen,“ sie wies nach einem hübschen Laden mit großen Spiegelfenstern, „wie ich nun hinkomme und den Ring abgeben will — ist er fort, und ob ich ihn auf dem Wege oder sonst wo verloren habe, weiß ich nicht.“
„Ich denke, er findet sich wieder,“ tröstete ich, „und ich für meine Person werde jetzt immer mit niedergeschlagenen Augen umhergehen — wer weiß, ob ich nicht das verlorene Vergißmeinnicht irgendwo treffe und dann so glücklich bin, es Ihnen zu geben.“
In diesem Augenblick wurde Platz am Schalter, die junge Dame eilte vor, gab ihren Zettel ab und verließ mit einer flüchtig freundlichen Kopfneigung gegen mich die Expedition, während ich nach ihrem Verschwinden gedankenlos mein Inserat bezahlte und mir dann überlegte, daß es ja nun ganz unnöthig gewesen sei, meine Lüge dem Druck zu übergeben. Doch Sie wissen, zu geschehenen Dingen läßt sich zwar noch viel sagen, aber nichts mehr thun. Ich ging dann meiner Wege, grübelnd und sinnend, wie ich den angeknüpften Faden der Bekanntschaft weiter spinnen sollte.
Plötzlich fiel mir etwas ein.
Ich dachte, einmal gelogen, ist nach einem alten Sprichwort kein Mal, also wollen wir es noch ein zweites Mal thun, und dabei mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen — die Gelegenheit zur Fortsetzung einer Beziehung finden, die mich schon mächtig anzog, und dem liebenswürdigen Mädchen väterliche Vorwürfe ersparen.
Schnell, um dem Gewissen nicht erst Zeit zu lassen, mir etwas vorzubellen, betrat ich den mir von der jungen Dame bezeichneten Juwelierladen und bat, mir verschiedene Ringe vorzulegen. Während der Kaufmann das Verlangte herbeiholte, durchblätterte ich rasch den auf dem Ladentisch liegenden Adreßkalender, der mir auch bald über Namen und Stand meines Gegenüber bereitwillig Auskunft ertheilte.
Ich hatte Recht, der Vater des Mädchens war, wie ich vermuthete, Justizrath — leider sind die Adreßbücher nicht ausreichend, um sonstige gewünschte Details über eine Familie zu erfahren. Indeß ich wußte genug und begann mein Lügengewebe zuversichtlich weiter zu spinnen.
Ich suchte unter den Schmucksachen, die der freundliche Kaufherr mir vorlegte, schüttelte den Kopf und sagte endlich, dies sei Alles nicht was ich wollte, ich brauchte einen bestimmten Ring.
„Ich will genau denselben haben, den Fräulein W..., die Tochter des Justizrath W... in der T...straße, besitzt, es handelt sich um eine Wette,“ fügte ich rasch hinzu, da der Juwelier mich erstaunt ansah und sogar ein wenig lächelte.