„Ich erinnere mich des Ringes ganz gut,“ sagte er nun, „und ich hatte genau denselben noch einmal, habe ihn aber meiner Tochter geschenkt, der er bei Fräulein W... so gut gefiel.“
„Das ist betrübend,“ erwiderte ich achselzuckend, „denn ich müßte ihn bald haben. In zwei bis drei Tagen spätestens verlasse ich die Stadt und möchte meine Wette gern vorher noch zum Austrag bringen.“
Der Juwelier besann sich ein Weilchen.
„Wenn Ihnen so sehr viel daran gelegen ist,“ begann er dann zögernd, „so könnte ich ja meiner Tochter später ein anderes Exemplar des Gewünschten anfertigen lassen — er ist nun freilich schon längere Zeit getragen worden und sieht nicht mehr ganz so blank aus, wie ein neuer Ring.“
„Um so besser,“ rief ich erfreut und unvorsichtig, setzte aber dämpfend hinzu, „ich meine, das schadet nichts — wenn Ihr Fräulein Tochter so sehr gütig sein wollte!“
„Ich will mit ihr sprechen,“ bemerkte der Vater, dem die Sache zweifelhaft schien, „vielleicht bemühen Sie sich morgen früh noch einmal zu mir.“
Ich versprach es und verließ den Laden, ärgerlich darüber nachdenkend, wie ich nun den Tag hinbringen werde. Nachdem ich mein schönes vis-à-vis einmal gesprochen, konnten mich die stummen Fensterbeobachtungen nicht mehr ergötzen, und waren gewissermaßen auch unstatthaft geworden.
In reiferen Jahren sieht man erst ein, wie thöricht es ist, sich darüber zu beklagen, daß die Zeit nicht rasch genug vergeht! Aber die Jugend, mit ihrem unerschöpflichen Reichthum an zukünftigen Tagen, möchte oft das „heute“ mit den Händen vorwärts schieben, um bald zu irgend einem ersehnten „morgen“ zu gelangen!
Nun, auch mein Tag ging dahin — und ehe ich mich’s versah, war der Abend da und die Nacht — ich ging auf mein Zimmer, um mich zur Ruhe zu begeben.
Vorher öffnete ich noch einmal das Fenster und sah auf die Straße und auf das Haus gegenüber.