Das Wetter hatte sich aufgeklärt, ein ruhiger Mondschein lag auf den Dächern, milde, warme Luft strich über meine Stirn — ich konnte weiter reisen — wenn ich wollte!

Ich schlief bis tief in den nächsten Morgen hinein und trat im Traum auf einen kleinen harten Gegenstand, der sich als ein Ring mit einem blauen Stein auswies. Freudestrahlend will ich mich eben damit nach dem Hause des Justizraths begeben — da klopft es an meine Thür, und die naseweise Bemerkung: „Der Barbier ist da!“ ruft mich aus der Traumwelt in die rauhe Wirklichkeit zurück.

Ich frühstückte eilig — es war mittlerweile elf Uhr geworden — und wollte eben das Hotel verlassen, als ich neben meiner Kaffeetasse die neueste Zeitung liegen sah.

Hastig durchsuchte ich den Inseratentheil — richtig — da stand der kleine, blaue Ring, und da stand Nap, im Falken Zimmer Nr. 10 abzugeben.

Sofort machte ich mich auf den Weg zum Juwelier.

Der prachtvollste Sommertag, klar und warm, war angebrochen — zu einer Gebirgsreise wie geschaffen!

Ich schämte mich eigentlich, daß ich nicht reiste!

Im Laden angekommen, bemerkte ich sofort an dem lächelnden Gesicht des Inhabers, daß „Goldschmieds Töchterlein“ wirklich so liebenswürdig gewesen sei, den Ring herzugeben. Ich bezahlte, steckte mein neuerworbenes Eigenthum schleunigst in die Tasche und begab mich nach dem Hause, welches schon so lange der Gegenstand meiner eifrigsten Beobachtungen war.

Vor der Thür stand ich einen Augenblick still. Mir sagte eine innere Stimme, daß ich mit dieser Schwelle zugleich einen bedeutungsvollen Lebensabschnitt beträte — und mit heiligem Schauder zog ich an dem Klingelgriff.

Meine Karte, die ein sauberes Dienstmädchen hineinbeförderte, mochte wohl Verwunderung erregen, um so mehr, da ich nach den Damen gefragt hatte, also nicht wohl für einen geschäftlichen Besucher gelten konnte — aber ich wurde angenommen und befand mich bald in einem großen, hellen Zimmer, das in einen schönen, blumengeschmückten Gartensalon Einblick gewährte.