Auf dem Sopha saß die schon erwähnte ältere Dame — aber sonst war Niemand zu sehen!
Das Schicksal schien mir durch meinen schon ganz ausgearbeiteten Entwurf einen häßlichen Strich machen zu wollen — indeß ich konnte nichts weiter dabei thun!
Die Dame stand auf, machte mir eine Verbeugung und sah mich fragend an.
„Ich muß sehr um Entschuldigung bitten,“ begann ich, mit einer mir durchaus neuen Verlegenheit kämpfend, „daß ich so fremd hier einzudringen wage. Meine Kühnheit ist nur durch einen besondern Umstand zu entschuldigen — ich habe heute Morgen in der Zeitung gelesen, daß eine Dame aus diesem Hause einen kleinen Ring verloren hat — und ich bin so glücklich gewesen, denselben wiederzufinden!“
„Ach, Sophiechen’s Ring,“ rief die Dame mit sehr freundlichem Gesicht, „das ist sehr liebenswürdig von Ihnen, mein Herr, daß Sie sich selbst zu uns bemühen. Das arme Kind hat sich schon soviel um den Ring gegrämt, sie hatte ihn von der Tante Adele, die dann so bald gestorben ist, eine Schwester der Frau Justizräthin, die uns auch leider so früh entrissen wurde, und da durfte gar nichts verlauten, daß der Ring verloren war, denn der Herr Justizrath ist im Allgemeinen sehr gut, wirklich, man kann sagen, ausnehmend gut und nun gar zu Sophiechen ein sehr guter Papa, aber Sie wissen ja, wie die Herren sind, sie haben alle ihre Eigenheiten und eigen ist der Herr Justizrath auch.“
Ich fand begreiflicher Weise weder Zeit noch Gelegenheit, ein Wort einzuschieben.
„Nun aber,“ fuhr die gute Dame fort, „will ich Sophiechen holen. Sie sollen selbst sehen, was sie für eine Freude haben wird! Sie ist ja schon ganz unglücklich über den Ring! Nein, ich kann mich gar nicht genug wundern, daß er wieder da ist! So ein kleines Ding, wie leicht konnte er zertreten werden, oder bei dem Regen gestern — er konnte in die Gosse fallen — und weg war er! Es konnte ihn ja auch Jemand finden, der nicht ehrlich war — es giebt zu schlechte Menschen!“
Hier ging ihr glücklicherweise der Athem aus und sie verließ mit den Worten: „Einen Augenblick, mein Herr!“ das Zimmer, während ich meinen Ring in der Hand hielt, mich schämte und mich freute.
Es verging eine ziemliche Zeit, ehe die Dame wieder eintrat, und dicht hinter ihr das junge Mädchen, deren Bekanntschaft ich schon gestern gemacht.
Sie stutzte, als sie mich sah, erröthete und setzte eine kleine vornehme Miene auf. Ich wollte mich ihr eben mit einigen erklärenden Worten nähern, als die Alte wieder dazwischen fuhr.