Sie — die Gruppe — sah auch nicht unbedenklich aus! Ein verlegener junger Mann, ein erröthendes Mädchen mit Thränen in den Augen und einem Ringe in der Hand und eine ältere Dame, die eben hätte segnen können!
Diese Letztere stürmte indeß sofort auf den verblüfften Justizrath ein und überschüttete ihn mit Ausrufen, Erklärungen, Vorstellungen — bis er sich lachend die Hände vor die Ohren hielt.
„Das Kurze und Lange von der Sache ist jedenfalls, daß Sophie ihren Ring verloren und wiederbekommen hat und daß wir Ihnen, mein Herr, dafür zu danken haben.“
Höfliche Verbeugung! Wieder ein Dank, den ich nicht verdiente! Ich erstickte fast daran und mußte mich nun noch von dem Papa auf’s Sopha nöthigen lassen und eine halbe Stunde lang mit ihm über Juristerei plaudern!
Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich begreifen, wie einem Friseur oder Schneidergesellen zu Muth sein muß, der als Graf in ein Weltbad reist und demgemäß behandelt wird.
Ich war, wie ich schon sagte, wirklich immerfort im Begriff, meine Larve abzuwerfen und als blamirtes, aber ehrliches Schaf aus meinem Wolfspelz hervorzukriechen — aber der Zauber des Augenblicks war stärker als ich — ich blieb und schwieg.
Als ich es endlich an der Zeit fand, die Familie nicht länger vom Genuß des Mittagessens zurückzuhalten, lud mich der Hausherr in freundlicher Weise ein, den Abend bei ihnen zu verleben, was ich tief beschämt, aber äußerlich mit schöner Fassung annahm.
So war ich denn nun durch die Dornenhecken gänzlicher Unbekanntschaft in das verzauberte Schloß gedrungen, aber das Ritterschwert, welches mir den Weg zur Prinzeß Dornröschen gebahnt hatte — war eine Lüge! Mit einem Seufzer und dem alten Wort, daß der Zweck die Mittel heilige, sang ich mein Gewissen in Schlaf, und kehrte in den Gasthof zurück.
Im Hausflur stand ein Mann in einer blauen Jacke, mit einer groben Physiognomie, er trug einen kleinen schwarzen Hund auf dem Arm. Ich achtete nicht auf ihn, sondern begab mich auf mein Zimmer, um mich angenehmen Erinnerungen und noch schöneren Erwartungen zu überlassen.
Leises Pochen an der Thür schreckte mich auf.