„Fragen Sie lieber, wie ich sie mir wünsche, das kann ich Ihnen ebenso sicher sagen, wie es sicher nie in Erfüllung gehen wird: ich möchte auf dem Lande leben!“
„Bravo,“ rief Fritz, „das lobe ich mir! Und auf die Erfüllung dieses Wunsches leere ich mein Glas! Das Landleben ist das einzig vernünftige Leben und ein Landwirth der glücklichste Mensch, vorausgesetzt —“ er vollendete mit einem sehr beredten Seitenblick, der wieder ein tiefes Erröthen in Lottchens Gesicht trieb.
„Wenn Sie aber auch so für das Landleben schwärmen,“ begann sie hastig, wie ablenkend, „warum bleiben Sie denn in der Stadt?“
„Dort war ich ja nur vorübergehend für einige Jahre,“ erwiderte Fritz unvorsichtig, „von morgen an ist es mit dem —“
Er stockte, erschrak und wurde fast noch röther, als seine Nachbarin. „Was haben Sie denn?“ fragte sie erstaunt.
Fritz schwieg, er schämte sich! Kein angenehmer Zustand, solchen vertrauenden, blauen Augen gegenüber!
„Bitte, fragen Sie mich nicht, ich kann mich jetzt nicht näher erklären,“ sagte er verwirrt und ohne sie anzusehen, „in mir ist heut alles unklar und unsicher, wundern Sie sich nicht, wenn ich viel thörichtes rede, es kommt hoffentlich ein Moment, wo ich Ihnen alles, was Sie nur überhaupt von mir wissen mögen, deutlich sagen kann und darf!“
Fritz, Fritz! Eine Uhr im Gastzimmer holte zu dröhnenden Schlägen aus, die Zeit war schon weit vorgeschritten. Jetzt mußte der Brief längst in Neu-Tessin sein, die Antwort — alle Chancen sprachen dafür, daß sie eine bejahende sein werde — war möglicherweise schon unterwegs, und dann?
Fritz wurde es heiß und kalt, nun war aber auch hohe Zeit, daß er hier ein Ende machte! Als man sich vom Tische erhob, begab er sich allein und tief nachdenklich in den Garten, der um das Wirthshaus blühte und grünte. Er kämpfte einen harten Kampf mit sich, mit seinem Gewissen und seiner jungen Liebe, die ihn um so lockender ansah, als sie hinter einem Gitter von Schwierigkeiten stand, welches seine eigene Schuld errichtet hatte! Er athmete tief auf, sein Entschluß war gefaßt. Wie auch die Sachen kommen sollten, er wollte sich nicht noch mehr Vorwürfe zu machen haben, als er ohnehin schon empfand — er ging festen Schrittes auf das Haus zu, um seinen Hut zu holen und unter einem Vorwande der Gesellschaft und allen schönen Träumen Lebewohl zu sagen!
Aber der Zufall, dem er sich heute so leichtsinnig in die Arme geworfen, ist ein heimtückischer Gesell, der seine Anhänger freilich oft auf reizenden Waldpfaden zum erwünschten Ziele führt, oft aber auch an jeder Biegung eines guten und verständigen Weges als neckender Kobold sitzt und ruft: „Halt, du hast die Rechnung ohne den Wirth gemacht, hier wird hübsch umgekehrt und ausgegessen, was du unter meiner Aegide dir so schön eingebrockt hast!“