Ein ihm fremder Kutscher lenkte das Gefährt, und blickte spähend in die aussteigende Menschenmenge. Als Fritz sich ihm näherte, und zur Sicherheit sich noch einmal erkundigte: „Herrn Amtsrath Solgers Wagen?“ nickte der Rosselenker, und frug, das trübselige Gesicht vor ihm mit einigem Mißtrauen betrachtend: „sind Sie der Herr Bräutigam?“

Unwillig bejahte der gequälte Fritz, und bald rollte das Gefährt auf der Landstraße dahin. Noch eine Biegung des Weges, da lag das Amtshaus, von der untergehenden Sonne vergoldet, vor ihm.

Als Fritz sich dem Hofe näherte, welchen man zu passiren hat, ehe man das Haus erreicht, begrüßten ihn zwar arg verstimmte, aber doch wohlgemeinte, schmetternde Klänge, die Dorfkapelle blies einen Tusch. Die durch diese Ovation etwas erregten Pferde ließen sich erst schwer zum Stehen bringen, Fritzens verstörte Augen bemerkten über der Hausthür eine dicke Guirlande, und als er, halb betäubt vor Verwirrung, dem Wagen entstieg, strömte ihm der warme Duft von Punsch und Braten festlich entgegen.

Vor der Thür stand der Amtsrath im schwarzen Leibrock, das Ordensbändchen im Knopfloch, die Amtsräthin im Seidenkleide, neugierige kleine Schwäger, Schwägerinnen und Dienstboten drängten sich im Hausflur, Malchen schien sich in bräutlicher Verschämtheit im Hintertreffen zu halten.

Fritz schwankte, wie ein Gerichteter, der das Schaffot besteigen soll.

Aber Unerwartetes begab sich.

Das dröhnende „Willkommen,“ mit dem der Hausherr den Wagen bereits anzuschreien begonnen hatte, verstummte plötzlich wie abgeschnitten, als er unseren Fritz erblickte. Es wäre schwer zu sagen, wessen Züge die größere Verlegenheit ausdrückten, die des Ankommenden, oder die der Erwartenden.

Die Amtsräthin machte kurz kehrt, und zerstreute mit Wort und Geberde die Neugierigen im Hausflur, dann ward sie nicht mehr gesehen.

Ihr Gatte erhob mechanisch die Hand, kratzte sich hinter dem Ohr, und — schwieg.

Fritz schwieg auch, ihm war fürchterlich zu Muthe. Er glaubte, er mußte ja glauben, daß der Anblick seines bleichen, deprimirten Gesichts so niederschmetternd auf die schwiegerelterlichen Nerven wirke, daß man keine Worte fände, ihn fröhlich als fröhlichen Bräutigam zu grüßen.