Aber dies gegenseitige, schweigende Anstarren war zum Tollwerden! „Noch zwei Sekunden so,“ dachte Fritz, „und ich gebe Fersengeld, und laufe, so weit mich meine Füße tragen.“

Er räusperte sich mehrmals, streckte etwas gezwungen die Hand aus, und begann: „Sie waren so überaus gütig, Herr Amtsrath —“

Der alte Herr sah starr auf den Boden nieder, ergriff die dargebotene Hand und schüttelte sie kräftig, dann sagte er mit bedrückter Stimme: „Bitte, bitte, nicht Ursach’, mein lieber Freund! Ich hatte freilich nicht erwartet — aber wollen Sie nicht einige Augenblicke näher treten? Wir können unsere Besprechung ja in meinem Zimmer vornehmen.“

Er ließ dem Schwiegersohn höflich den Vortritt ins Haus und öffnete die Thür seiner zu gleicher Erde belegenen Wohnstube, in die ihm Fritz ungefähr mit den Gefühlen folgte, die man im Vorzimmer des Zahnarztes durchzumachen pflegt.

„Darf ich Ihnen eine Cigarre anbieten?“ unterbrach der Amtsrath die Grabesstille.

„Sie sind sehr gütig!“ und Fritz begann zu rauchen, und zwar mit einem Eifer, als hinge sein Leben daran, daß er die Cigarre in zehn Minuten bis auf die letzte Spur vertilgt habe.

Der Amtsrath paffte eben so krampfhaft in seiner Ecke.

Endlich erhob sich Fritz, und stellte sich, militärisch hoch aufgerichtet, vor den alten Herrn.

„Ich weiß in der That nicht, Herr Amtsrath, was Sie von mir denken werden, wenn ich Ihnen eine Erklärung meiner Handlungsweise gegeben habe, die —“

„Aber ich bitte Sie, mein lieber, junger Freund,“ erwiderte der Alte ganz ängstlich, „wozu wollen Sie sich und mir eine solche unnöthige Qual bereiten! Ich habe ja alles, was zu der Sache irgend zu sagen war, in meinem Briefe auseinandergesetzt, und um Ihnen die Situation zu erleichtern, wiederhole ich Ihnen noch einmal mündlich, was ich schriftlich sagte, an meinem und meiner Tochter Entschluß ist nichts mehr zu ändern, wenn Sie eine derartige Absicht herführt, so ist jedes Wort unnöthig.“