Fritz rang mit dem Tode! Er sah die Zornader auf der Stirn des Alten schon im Geiste anlaufen, aber es half nichts — durch!
„Herr Amtsrath!“ begann er von neuem, und fuhr sich mit dem Taschentuch über die Stirn, „halten Sie mich für einen Elenden — ich halte mich selbst dafür, aber ich beschwöre Sie bei allem, was Ihnen heilig ist, mein Gott, wie soll ich mich nur ausdrücken? ich flehe Sie an, nehmen Sie Ihr Wort zurück!“
„Aber sagen Sie mir, Herr,“ rief jetzt der Amtsrath, „was ficht Sie denn eigentlich an? Allen Respekt vor Ihnen, aber Sie benehmen sich, um mich ganz gelinde auszudrücken, wie ein Narr! Seien Sie ein Mann, fügen Sie sich ins Unvermeidliche, was ich gesagt habe, habe ich gesagt! Ich werde mich doch jetzt nicht zum Gespött der ganzen Gegend machen, als ein alter Schwachkopf, der nicht weiß, was er will! Meine Tochter ist Braut — und damit basta.“
„Nun dann,“ sagte Fritz mit der Ruhe eines Verzweifelten, „dann bleibt mir nichts übrig, als mir eine Kugel vor den Kopf zu schießen! Ich habe wie ein Ehrloser gehandelt, ich muß die Folgen tragen! Denken Sie von mir, was Sie wollen, aber ich kann Ihre Tochter nicht heirathen!“
„Was!“ schrie der Amtsrath und sprang auf, „was sagen Sie da?“
„Ich kann Ihre Tochter nicht heirathen,“ wiederholte Fritz dumpf und leichenblaß, „und nun machen Sie mit mir, was Sie wollen!“
„Meine Tochter nicht heirathen?“ brüllte jetzt der Amtsrath, und sprang auf Fritz zu, ihn bei den Schultern packend, „aber Mensch, wer verlangt denn, daß Sie sie heirathen? Bin ich toll, oder sind Sie toll, oder sind wir’s alle beide?“
„Ich weiß nicht,“ sagte Fritz ganz erschöpft, und sank in seinen Stuhl zurück.
Der Alte trat zum Nebentisch, goß zwei Gläser Wasser aus einer Karaffe ein, trank eins, und reichte das andere unserem Helden. „So, das schlägt nieder,“ sagte er dann etwas ruhiger, „und nun sagen Sie mir einmal, was Sie eigentlich wollen! Sie halten um meine Tochter an, ich schreibe Ihnen, umgehend, wie Sie es verlangten, eine ganz vernehmliche, möglichst freundlich abgefaßte Antwort, und statt sich dabei zu beruhigen, wie ein vernünftiger Mensch, kommen Sie hierher wie ein Tollhäusler, und schreien, Sie können meine Tochter nicht heirathen! Ich muß Ihnen gestehen, ich finde es, gelinde gesagt, sehr dumm und albern, daß Sie heute überhaupt hierher kommen!“
„Aber mein Himmel,“ rief Fritz, und durchwühlte seine Brieftasche mit zitternden Händen, „Sie haben mich ja doch selbst eingeladen!“