„Ich — Sie?“ schrie der Amtsrath noch lauter, „i, so schlag doch —“

„Hier!“ sagte Fritz lakonisch, und reichte dem alten Herrn seinen Brief hin.

Der Amtsrath las — verfärbte sich — wiegte den Kopf hin und her — plötzlich rief er: „Ach, du meines Lebens! Da habe ich eine schöne Geschichte gemacht, lieber Sterneck, ich bin ja an allem schuld! Ich habe den Absagebrief an Sie gleichzeitig mit dem Zusagebrief an meinen Nachbar Rummler geschrieben — der hielt zufällig vor zwei Tagen auch um Amalie an, und wie ich nun Ihren Brief sofort beantworten mußte, da habe ich in der Eile und Aufregung die Adressen verwechselt! Nein, das ist ja schrecklich — und nun sitzt mir der mit einem Korbe da! Er hat auch Bahnstation in Frankenberg, und der Wagen sollte ihn holen und nicht Sie! Ach, ich bin ein geschlagener Mann — ich alter Esel! Nein, ist denn das aber menschenmöglich?“

Während der Alte wie außer sich im Zimmer umherrannte, ergoß sich in Fritzens umdüsterte Seele eine wahre Sonnenhelle. Er sollte Amalien nicht heirathen — die gute, die liebe Amalie wollte ihn nicht, hatte sogar schon einen Ersatzmann gefunden — ach, das hatte er nicht verdient!

In überströmender Glückseligkeit sprang er auf und fiel dem erstaunten Amtsrath um den Hals. „Lieber, alter Freund — bester Herr Amtsrath — meine innigsten Glückwünsche — ach, so habe ich mich doch in meinem ganzen Leben noch nicht gefreut!“

Es sprach eine so innige Ueberzeugtheit aus diesen Worten, daß dem guten Amtsrath, was man ihm auch nicht verdenken kann, wieder ganz unheimlich zu Muthe wurde. Er machte sich etwas unsanft los.

„Na, lassen Sie das nur gut sein,“ sagte er, und schob Fritz mißtrauisch zurück, „was Sie denken und ob Sie sich freuen, ist mir im Augenblick ganz egal — ich weiß nur nicht, wie ich meine Eseleien wieder gut mache, ohne daß es meine Weibsleute merken, sonst haben die eine Handhabe gegen mich bis ans Ende meiner Tage!“

„Ich will Ihnen einen Vorschlag machen,“ nahm Fritz, dessen Gefühlswogen sich zu legen begannen, jetzt das Wort, „Gefallen gegen Gefallen! Borgen Sie mir Ihren Rappen bis morgen früh, dann reite ich jetzt zu Herrn Rummler hinüber und besorge Ihnen einen Brief hin, den Sie schnell schreiben, während ich mich anziehe — und dann reite ich zur Stadt und schicke Ihnen das Pferd morgen wieder heraus. Herr Rummler kann in einer Stunde hier sein und niemand erfährt etwas!“

„Ach, das ist Unsinn,“ sagte der Amtsrath, „ich will Ihnen etwas anderes sagen — mir wird das Briefschreiben sauer — geben Sie mir Ihren Brief, und ich schicke ihn zu Rummler, und schreibe nur, das wäre der richtige, und der andere wäre für Sie bestimmt. Wenn ich das schreiben kann, so ist die Sache abgemacht.“

„Meinetwegen,“ rief der glückselige Fritz, „aber den Rappen geben Sie mir mit. Ich muß nothwendig heute Abend nach Hause — Sie sollen bald erfahren, warum!“