„Gewiß!“ sagte der Doktor höflich — die Aussicht, einen Miether zu bekommen, goß Öl auf die Wogen seines Zornes. Die beiden Herren nahmen an einem Seitentischchen Platz, um über den Kontrakt einig zu werden.
Kaum hatte der Doktor den ersten Paragraphen vorgelesen, als die Thüre aufging und eine Dame erschien. Sie war nicht mehr ganz jung, aber auch durchaus nicht alt — so hübsch in der Mitte. Ganz jung waren ihre Toilette, ihre Haartracht und ihr Wesen! sie flog wie eine Elfe ins Zimmer und umarmte Käthe mit kindlichem Ungestüm.
Das war Fräulein Leontine von Faldern, die mit ihrer Großmama, der verwittweten Generalin, die Hälfte des zweiten Stockes im Hause bewohnte. Der Baron hatte sie kaum erblickt, als er aufstand und auf sie zutrat.
Der Doktor, im Ausfertigen seines Miethskontraktes unterbrochen, kreuzte die Arme, lehnte sich in seinen Stuhl zurück und sagte düster: „nett!“
„Mein gnädiges Fräulein,“ begann der Baron, „ich bin entzückt, Sie zu begrüßen! Wie ist Ihnen die Stumme von Portici bekommen?“
„O ausgezeichnet!“ erwiderte Leontine, „es war eine allerliebste Aufführung! Ich war mit Schraffenaus da — Will ist jetzt bei ihnen zum Besuch — Sie wissen ja — Will Schraffenau, der bei den zweiten Kürassieren stand! Will kann zu amüsant sein, nicht?“
„O ja, meine Gnädigste,“ erwiderte der Baron, „aber nichts gegen Lu! Sie erinnern sich doch? Lu Schraffenau, der die zweite Sandrowsky — Peppi Sandrowsky — zur Frau hat? Sie kennen sie doch? Graziös, was?“
„Na!“ brummte der Doktor vor sich hin, „bis die beiden jetzt den Grafenkalender durchgearbeitet haben, kann mein Miethskontrakt schwarz werden!“
„Denken Sie nur, meine Gnädigste, ich bin im Begriff, Ihr Hausgenosse zu werden! Charmant, was?“
„Ach, wie reizend! Das muß ich Großmama erzählen!“ rief Leontine entzückt.