„Was?“ unterbrach der Hauptmann lebhaft, „Tine Faldern ist hier?“

„Kennst du sie?“

„Wie sollte ich nicht! — Als ich bei Storrwitz Adjutant war, hielt sie sich ja einen ganzen Winter dort auf! Sie hieß damals immer die Tochter des Regiments, weil sie so genau in der Rangliste Bescheid wußte. Uebrigens ein hübsches, amüsantes Mädchen — es ist mir ganz lieb, sie einmal zu treffen, wir haben eine Menge gemeinsamer Beziehungen.“

Die Majorin sah etwas mißvergnügt aus, sagte aber nichts.

„Dann,“ fuhr sie fort, „von Hausgenossen heißt das, kommt noch unser Wirth — der Doktor Lang mit Frau und Tochter —“

„Ach — die berühmte Käthe! Ich kenne dich, Mama! Hätte ich mir’s nicht denken können, daß du wieder einen Heirathsplan wie einen Lasso bereit hältst, um ihn mir Unglücklichen über den Kopf zu werfen? Aber gieb dir keine Mühe, Mama — es wird nichts!“

„Sei doch nicht so absprechend,“ bat die Mutter, „du hast Käthe noch gar nicht gesehen — ich sage dir, sie ist allerliebst! Hübsch, sehr gut erzogen und sehr gescheidt — sie würde ausgezeichnet für dich passen!“

„Kann sein, Mama! aber ich will dir etwas sagen — ich werde wohl überhaupt nicht heirathen. Sieh,“ fuhr er lebhaft fort, als die Mutter eine Bewegung des Unmuths machte, „ich bin — nenne es phantastisch, unpraktisch, kurz, was du willst — aber ich bin entschlossen, mich nur zu binden, wenn ich ein Mädchen finde, von der ich sage: ‚Die oder keine!‘ Und solche Dinge kommen vor! — Ich sage dir, sie kommen vor! Lache mich nicht aus, Mutter — aber ich habe ein Mädchen gesehen, das mir gefällt, und wenn ich die wiedersehe, und sie will mich — dann sollst du am längsten auf eine Schwiegertochter gewartet haben. Frage mich aber nicht weiter — ich bin auf der Suche — das laß dir genug sein. Und verschone mich mit deiner Käthe — ich mag sie nicht!“

„Guten Abend, Frau Majorin,“ sagte in diesem Augenblick die Generalin Faldern, die in taubengrauer Seide ins Zimmer rauschte, von der rosafarbenen Leontine gefolgt. „Sie waren so freundlich, uns zu erlauben — ah, das ist wohl Ihr Herr Sohn?“

„Ja, er ist gestern angekommen,“ sagte die glückstrahlende Mutter, ihn den Damen vorstellend, „er hat mich überrascht! Es ist doch einzig von ihm; aber er war von jeher ein so guter Junge!“