Wenn diese öffentliche Liebeserklärung dem Hauptmann peinlich war, so ließ er es durch keine Miene merken — er lächelte sehr freundlich und wandte sich an Fräulein Leontine, die ihm als altem Bekannten vergnügt die Hand hinstreckte.
„Herr Hauptmann — das ist aber eine Ueberraschung, die Ihrer Frau Mutter vollständig gelungen ist! Allerliebst, das muß wahr sein! Und nun erzählen Sie mir von W.... — was machen die dritten Husaren? Und wo stehen jetzt die Vierundzwanziger? Hat Trotha wirklich einen so großen Pas gemacht, und muß Schulten den Abschied nehmen? Ach, es waren doch schöne Zeiten?“
„Ihre Theilnahme für meine Kameraden rührt mich aufs tiefste, mein gnädigstes Fräulein,“ erwiderte der Hauptmann ernsthaft, „ich kann Sie versichern, daß die dritten Husaren sich sehr wohl befinden, und daß die Vierundzwanziger sich ohne Ausnahme Ihnen durch mich zu Füßen gelegt hätten, wenn sie hätten ahnen können, daß ich so glücklich sein würde, Sie zu sehen.“
„Ach, Sie spotten wieder,“ schmollte Leontine, „aber ohne Scherz — erzählen Sie mir ein bischen! Hat mein Vetter Storrwitz sich ein neues Pferd gekauft? Der Braune von damals war doch ein süßes Thier — er ist mir noch manchmal im Traume erschienen!“
„Glücklicher Brauner!“ sagte der Hauptmann — und begann nun wirklich zu erzählen. Leontine hörte fächerschlagend zu, und die Unterhaltung war so lebhaft, daß der eintretende Gastgeber kaum seine Begrüßung dazwischenschieben konnte. Er sah mit seinem Orden im Knopfloch und mit seinem grauen Haar wirklich ganz stattlich aus und machte ganz zeitgemäße Konversation mit der Generalin — freilich sagte er meist nur: „nun eben!“ eine Wendung, die er vorzugsweise gern anwendete, und mit der man merkwürdig weit kommt, wenn man sich erst einmal darauf eingerichtet hat.
Inzwischen fanden sich die Gäste nach und nach ein — schon klingelte es wieder.
„Das sind gewiß Langs,“ rief Leontine, „ich muß Käthe entgegengehen,“ und damit flog sie hinaus.
Der Hauptmann sah ihr etwas verwundert nach, und wandte sich dann, um den Baron Rabeneck zu begrüßen, der eben erschien.
„Entzückt — entzückt, Herr Hauptmann, Sie kennen zu lernen,“ begann der Baron schmelzend, „Sie stehen bei einem B.’schen Regiment?“
„Ja wohl, Herr Baron — schon seit zwei Jahren,“ erwiderte der Hauptmann.