„Spielen Sie Whist, Herr Doktor?“

„Sehr gern!“ erwiderte der Angeredete eifrig — erstens langweilte er sich, und dann wollte er den Baron wegen der Wohnung ausforschen.

„Nettes Spiel — was? Ich spiele leider nicht — kein Kartenspiel — fehlt mir jedes Talent dafür. Sonst habe ich viel Talente — meine selige Mama sagte schon immer „Chlodwig, du bist sehr talentvoll“ — aber Karten“ —

„Dummkopf,“ murmelte der Doktor in sich hinein.

In diesem Augenblick klopfte ihm der Major auf die Schulter, „machen wir heute keine Partie?“

Der Doktor war bereit, der Justizrath, der inzwischen schon im Stillen überlegt hatte, ob er vielleicht um Leontine anhalten sollte — sie war ziemlich die einzige in der Stadt, bei der er sein Heil noch nicht versucht hatte, wurde als Dritter zum Whist angeworben, und die drei Herren setzten sich an den Spieltisch, der in dem Zimmer aufgestellt war, wo die Jugend saß.

Bei dieser — der Jugend — herrschten indeß die verschiedensten Empfindungen. Käthe, die dem Baron zum Opfer gefallen war, antwortete auf seine zahllosen Fragen immer aufs Gerathewohl mit „ja“ und „nein“ — nur wenn die Augen des Hauptmanns zu ihr hinüber flogen, nahm sie einen Schein von Lebhaftigkeit an und wurde gesprächiger.

Leontine, an der anderen Seite des Tisches, ließ alle Minen springen. Sie erinnerte sich an jeden einzelnen Ball aus der Saison, die sie mit dem Hauptmann erlebt hatte, mit überraschender Genauigkeit, und „wissen Sie noch?“ war immer der Refrain jedes dritten Satzes.

Der Hauptmann wußte aber gar nichts — er wurde immer zerstreuter, und als Leontine ihn nach einem Rittmeister zu fragen begann, der seiner Zeit zu den Husaren kommandirt war, bot sich ihm ein Ausweg.

„Herr Baron,“ rief er hinüber, „stand Straten nicht bei den —ten Dragonern? den müssen Sie ja gekannt haben! Fräulein von Faldern erkundigt sich nach ihm!“