Der Hauptmann, der es sich als artiger Sohn des Hauses nicht nehmen ließ, die Gäste bis in den Flur zu geleiten, und Käthchen beim Umnehmen der Sachen behilflich zu sein, schied mit einem so innigen Händedruck vom Doktor, daß dieser, bei der kurzen Bekanntschaft, sich mit Recht über diese Gefühlsverschwendung verwunderte. —

Als die übrige Gesellschaft sich empfohlen hatte, ging der Hauptmann noch auf sein Zimmer, um sich eine Cigarre zu holen, deren er in wichtigen Augenblicken zur Sammlung bedurfte. Sie war auch ein prächtiger Verlegenheitsableiter, als er zu den Eltern zurückkehrte, die gemüthlich im Sofa saßen, und im Genuß der eingetretenen Ruhe schwelgten.

Beide sahen auf, als der Sohn eintrat — er aber schnitt, während er sprach, emsig die Cigarre ab, steckte ein Schwefelhölzchen in Brand, kurz nahm alle möglichen Handarbeiten vor, und begann dann mit etwas unsicherer Stimme eine kleine Rede zu halten.

„Liebe Eltern“, sagte er halb heiter, halb verlegen, „ich bringe ein paar Neuigkeiten. Die eine habe ich soeben erfahren — ich fand auf meinem Zimmer diesen Brief vor, der mir meine Versetzung hierher, vorläufig privatim mittheilt.“

Die Majorin sprang, wie elektrisirt, vom Sofa auf.

„Kurt — wirklich? mein lieber Junge! Wie ist das so schnell gekommen?“

„Ja, Mutterchen, bei uns Soldaten geht dergleichen immer mit Dampf! Die Wahrheit zu sagen erwartete ich aber die Nachricht schon längere Zeit, und verschwieg sie Euch nur, um Euch nicht unnütze Spannung und Aufregung zu bereiten.“

„Ich bin ganz glücklich, Kurtchen“, rief seine Mutter immer wieder, „und du sollst mal sehen — sei nicht böse — aber wenn ich dich hier habe, wirst du dich auch viel leichter zum Heirathen entschließen.“

„Laß’ ihn doch in Ruhe!“ brummte der Major.

Der Sohn lächelte. „Liegt dir wirklich so viel daran, Mama? So unendlich viel?“