„Mein Gott, wie peinlich!“ sagte der Baron, und zog sich den zweiten Handschuh an, „und ich wäre so gern hier ins Haus gezogen! aber jeder ist sich selbst der Nächste! was? Wenn ich noch ein Zimmer brauche, das kann mir doch keiner übel nehmen — das finde ich — da kann ich mir nicht helfen!“
Und damit retirirte der Baron, und ging — ungeleitet, denn der Doktor war zu ärgerlich — und man hörte den Weggehenden noch im Hausflur, wie ein abziehendes Gewitter fragen, ob er sich nicht selbst der Nächste wäre.
Wen er fragte, wußten die Zurückgebliebenen nicht — es war ihnen auch höchst gleichgültig. Der Doktor rannte wie ein gefangener Tiger im Käfig auf und ab, und erging sich in den wohlthuendsten Aeußerungen über den Baron.
„Dieser Einfaltspinsel — dieser alberne Kerl — fragt einen erst todt, und miethet dann nicht einmal! Nein, ich war gestern Abend schon so glücklich — mein Quartier so gut wie vermiethet, und nun? Prosit die Mahlzeit! Nun sagen Sie einmal selbst, ist das nicht eine ganz infame Manier, so im letzten Augenblick abzuschnappen?“
Der Hauptmann bejahte durch eine Verbeugung — in diesem Sturm konnte er sein Schifflein nicht auslaufen lassen, erst mußte der Himmel wieder ruhig werden.
„Aber eins sage ich,“ fuhr der erregte Doktor fort, „einen Rath gebe ich jedem, der ihn haben will. Wer kein Haus hat, freue sich, und wer eins hat, zünde es an allen vier Ecken an. Das ist ja —! alle Tage was Neues! Da will der einen Ofen gesetzt haben — dem soll man die Thüren streichen lassen, und dabei bleiben einem die Wohnungen noch leer stehen! Ich danke für mein Haus — ich schenke es weg — da mache ich immer noch ein gutes Geschäft. So habe ich keinen Miether und Aerger, dann habe ich doch wenigstens keinen Miether und keinen Aerger — nein, wahrhaftig!“
Der Doktor schwieg erschöpft, und nahm den Kontrakt in die Hand.
„Den Wisch möchte man doch nun gleich in tausend Stücke reißen,“ begann er von neuem, „der Mensch hat sich verklausulirt, als wenn er ein Testament über eine Million für drei leichtsinnige Söhne machen sollte — um jeden Paragraphen hat er geredet und gefragt — eigentlich kann ich Gott danken, daß ich den nicht als Miether bekommen habe. Ein unausstehlicher Kerl! Aber mein Quartier — nein, ich bin außer mir! nun hängt der Miethszettel wieder aufs unbestimmte aus, und jedesmal, wenn ich nach Hause komme, ärgere ich mich darüber.“
Der Hauptmann trat einen Schritt näher.
„Herr Doktor,“ begann er mit halbem Lächeln, „darf ich Ihnen einen Vorschlag machen, mit dem uns vielleicht beiden gedient wäre? Das Quartier hat vier Zimmer, wie ich höre — hätten Sie etwas dagegen, mich als Miether aufzunehmen? Ich bin zum ersten Januar hierher versetzt.“