Das Gesicht des Doktors klärte sich auf.
„Ja, aber,“ sagte er etwas zögernd, „ist Ihnen denn die Wohnung nicht zu groß?“
„Nun, dem ließe sich auch abhelfen! Herr Doktor, ich kam heute, wie Sie in der Sturm- und Drangperiode mit dem Baron vielleicht vergessen haben, um in einer persönlichen Angelegenheit mit Ihnen Rücksprache zu nehmen — darf ich meine Bitte jetzt vortragen?“
Dem Doktor ging ein Licht auf.
„Bitte!“ stammelte er verlegen.
„Ich liebe Ihr Fräulein Tochter,“ fuhr der Hauptmann ernsthaft fort, „und sie ist meiner Werbung trotz unserer kurzen Bekanntschaft nicht abgeneigt. Darf ich hoffen, Herr Doktor, daß von Ihrer Seite unserer Verbindung kein Hinderniß im Wege steht? Sie kennen mich ja durch meine Eltern —“
Eine Viertelstunde später rief ein energisches Klingeln die Damen in des Doktors Zimmer. Eine kleine feierliche Scene fand statt, nach deren Beendigung der Doktor sich zur Thür wandte, um Majors herunter citiren zu lassen. Aber er prallte zurück, denn in der Thür stand, verlegen und unsäglich neugierig aussehend, der Baron. Er hatte sich draußen vor der Doktorin in seiner gewohnten Ausführlichkeit gerechtfertigt, und als die Klingel des Hausherrn so ungestüm erscholl, hatte ihn sein Wissensdrang nach dem Zimmer zurück getrieben, wo er zur allgemeinen Entrüstung und Bestürzung der feierlichen Verlobung unbemerkt assistirt hatte.
Aber der Zorn der belauschten Familie machte in der überfließenden Freude der Fröhlichkeit Platz, und der Baron brachte seine Gratulation an und fragte: „Verlobt, was? — ja, das muß sehr hübsch sein — ich finde das allerliebst! werde mich wohl auch entschließen — nur kein Junggesell bleiben, was? Meine selige Mama sagte immer: ‚Chlodwig, du bist fürs Familienleben geschaffen!‘“ Nachdem er diesen Satz zu Ende gebracht hatte, war der beglückte Schwiegervater so erheitert, daß er den Baron für seine Heftigkeit von vorhin um Verzeihung bat, die der gutmüthige Mann auch sofort bereitwillig zugestand.
Als Majors erschienen, und ein improvisirtes Verlobungsdejeuner servirt wurde, wozu die noch aufgestellten Gläser und Tassen vortrefflich zu statten kamen, ließ sich der Baron mit Leichtigkeit bewegen, daran Theil zu nehmen, und alles gruppirte sich um den Tisch in des Doktors Stube.
Nun freute sich jedes auf seine Art! Das Brautpaar war still, aber sehr zufrieden, sie sahen allerliebst zusammen aus. Der Doktor und der Major stießen an, und tranken Brüderschaft. Die Majorin nickte allen mit der Unverdrossenheit einer Pagode zu und weinte Freudenthränen über ihren Sohn und ihre liebe Käthe. Um diese zu trocknen, borgte sie allerdings schluchzend das Tuch von der Doktorin — ihr eigenes war momentan nicht zur Hand. Die Doktorin hätte auch gern geweint, doch unter diesen Umständen ging es nicht und sie mußte sich sehr zusammennehmen. Aber bei der Gelegenheit gelobte sie sich heilig und theuer, das Borgen müßte von nun an seine Grenzen haben, was ihr niemand verdenken wird, der sich in einen ähnlichen Fall versetzen kann.