Kurzum, es war durchaus keine Verblendung und Selbstüberhebung nöthig, um die Entschlüsse reifen zu lassen, die in nächster Zeit unsern Helden bewegten. Noch nicht drei Wochen war es her, da hatte er sich in der Stadt neue Tapetenmuster ausgesucht und dem Bäschen zur Auswahl präsentirt. Da war besonders eins, das er in’s Herz geschlossen hatte, mit blauen, schmalen Streifchen und kleinen Rosenknospen dazwischen, — als er ihr das zeigte und frug:
„Möchtest Du wohl in einer Stube wohnen, die so tapezirt wäre? Ist es nicht niedlich?“
Da antwortete sie freilich nur auf die letzte Frage und sagte:
„Sehr niedlich!“
Aber sie wurde roth und lachte. Warum war sie roth geworden, wenn sie nicht wußte, was er damit meinte? Und mit triumphirenden Gefühlen warb er einen ganzen Leiterwagen voll Tapeziere und Stubenmaler, ließ seine ganze Wohnung neu herrichten und umgab sich viele Tage lang mit dem abscheulichsten Kleistergeruch, — und Alles um nichts und wieder nichts! —
Tagelang ging er dann umher wie ein Verschwörer, — überlegte, — verwarf, — und kam endlich zum Entschluß. Heut, — diesen selben Tag, an dem er fiebernd vor Zorn und Beschämung in der nächtlichen Straße stand, war Fränzchens achtzehnter Geburtstag gewesen! Schon früh ritt er mit einem Blumenstrauß in die Stadt, so groß, daß ihm alle Leute verwundert nachsahen, — das Mädchen empfing ihn mit der größten Freundlichkeit, — zeigte ihm ihren bekränzten Geburtstagstisch, — und man lud ihn ein, am Abend wieder zu kommen, wo eine Gesellschaft junger Leute sich versammeln sollte.
Das that er denn auch, und als er im Hausflur einen kleinen Taschenspiegel hervorzog und sein ehrliches, braunes Gesicht darin betrachtete, kam er sich beinahe hübsch vor. Eine Rosenknospe hatte er in’s Knopfloch gesteckt — und unter der Rosenknospe schlug ein Herz voll Löwenmuth!
Fränzchen hatte sich auch sehr schön gemacht, sie trug ein weißes Kleid mit feinen, blauen Streifen, — es sah seiner Tapete beinahe ähnlich, — und die blonden, glatten Zöpfe waren mit einer frischen Nelke geschmückt, — er hätte sich sehr irren müssen, wenn die nicht aus dem Strauß war, den er heute Morgen gebracht hatte!
Die kleine Versammlung war schon vollzählig, als er eintrat, und Fränzchen vor Allen als Geburtstagskind begrüßte. Er sah aber gleich, daß sie schlechter Laune war.
„Guten Abend, Karl,“ sagte sie flüchtig und mit einem Anflug von Verdrießlichkeit in der Stimme. „Du kommst genau eine Stunde später als du eingeladen bist! Wir hätten schon lange anfangen können zu tanzen, wenn wir nicht hätten auf Dich warten müssen.“