Fritz beantwortete diese Mittheilung durch ein so unauslöschliches Gelächter, daß mehrere Bahnbeamte sich argwöhnisch und neidisch nach dem Eigenthümer so vieler Heiterkeit umsahen.
„Was lachst du denn, dummer Junge?“ rief Karl jetzt ergrimmt, „sage lieber, wie Fränzchen so plötzlich darauf kommt, abzureisen! Gestern Abend war doch noch gar nicht davon die Rede!“
„Denkst du denn, ich weiß gar nichts,“ erwiderte Fritz, dessen Schlauheit bereits keine Grenzen mehr kannte. „Die halbe Nacht ist noch bei uns ein fürchterlicher Spektakel gewesen, — Fränzchen hat geweint, der Vater hat gezankt, sie sei ein dummes Ding, die nicht wisse, was sie eigentlich wolle, und sie solle gleich zur Tante reisen, bis sie zur Vernunft gekommen wäre. Dann hat mir der Vater einen Brief gegeben, den sollte ich zu dir tragen, wenn ich aus der Schule käme, — da du aber nach Schrobeck fährst, behalte ich ihn natürlich!“
„Her mit dem Brief!“ herrschte Karl mit so wildem Ton und Blicke, daß Fritz, vor diesem furchtbaren Anblick erzitternd, den Brief aus der Tasche zog und Karl einhändigte.
Dieser überflog ihn, dann glitt ein triumphirendes Lächeln über sein Gesicht, er faltete den Brief zusammen, steckte ihn in die Tasche und wandte sich wieder zu Fritz.
„Höre Fritz, — in diesem Zuge giebt’s keine Damencoupés. Du belegst hier in diesem Wagen einen Platz für Fränzchen, — ich lasse meine Reisetasche in die Ecke legen und komme nicht eher auf meinen Platz, bis der Zug eben fortfahren will.“
Fritz nickte und erklomm das bezeichnete Coupé.
Nach wenig Minuten brachte ein blaujäckiger Dienstmann Karl’s Reisetasche und legte sie auf den Eckplatz. Fritz begab sich wieder in den Wartesaal, um seine Schwester zu rufen, — es klingelte zum ersten Mal.
Karl sah hinter der Gardine des nächsten Wartezimmers zum Fenster hinaus.
„Hier, Fränzchen!“ rief der wohlinstruirte Fritz und half der Schwester in das Coupé steigen, an dessen Fenster ein Täfelchen mit der bedeutsamen Inschrift prangte: „Für Nichtraucher!“