„Kein Damencoupé?“ frug das Mädchen schon im Einsteigen.
„In diesem Zuge giebt’s keine Damencoupés,“ lautete die Antwort, und Fränzchen nahm ihren Platz gerade der gestickten Reisetasche gegenüber, um den Anblick der brüderlichen Stumpfnase noch so lange als möglich zu genießen.
Fritz hatte den Wagentritt bestiegen und nahm noch allerlei Aufträge in Empfang.
„Erlauben Sie, junger Herr,“ sagte da eine muntere Stimme hinter ihm, und die junge Dame mit dem Kirschenhut bestieg den Wagen und nahm die dritte Ecke an der andern Seite ein.
„Ob das Karl lieb sein wird?“ dachte Fritz bedenklich, — doch da er nicht befugt war einzuschreiten, schwieg er wohlweislich.
Um so gesprächiger war die Neueingetretene vom ersten Augenblick an, sie klagte über die Hitze, legte ihr Hütchen ab und bot Fritz und Fränzchen gutmüthig von dem Pfefferkuchen an, den sie in unvertilgbaren Quantitäten bei sich zu führen schien.
„Ich fahre nicht mehr allzu lange,“ sagte sie jetzt, sich bequem in die Ecke zurücklehnend, „in Eisdorf steige ich aus. Sie auch, Fräulein?“
„Ich habe noch eine Station weiter bis zu meinem Ziel, — ich will nach Schrobeck,“ erwiderte Fränzchen müde.
Ein erneutes Klingeln, — ein kurzer, zwitschernder Pfiff ließ sich vernehmen, — Fritz wurde höflich ersucht, seinen erhabenen Standpunkt zu verlassen, — und eben wollte der Beamte die Thür zuschlagen, als in vollem Lauf ein uns wohlbekannter, graugekleideter Herr über den Perron eilte, in den Wagen sprang und kaum darin war, als der Zug sich in Bewegung setzte.
Karl hatte in diesem Augenblick einen bedeutenden Vortheil über Fränzchen, — er wußte, was ihm bevorstand, und vermochte es in Folge dessen, seinen Hut abzunehmen und beide Damen wie fremde Mitreisende zu grüßen. Fränzchen aber, gänzlich unvorbereitet, starrte ihn mit weitgeöffneten Augen an, als sehe sie einen Geist, und wechselte unaufhörlich die Farbe.