Bei diesen Worten wandte sich einer der Herren am Billard rasch um; er hatte ein scharfes, geistvolles Gesicht, dessen dunkle Augen durch eine goldene Brille blickten, ohne darum weniger jugendlich auszusehen.

„Ei, da ist ja auch unser Hippokrates!“ sagte Raven, dem allbeliebten jungen Arzt die Hand schüttelnd; „nun, Doktor, ist Alles zu Tode curirt, daß Sie ’mal Zeit haben, hier Billard zu spielen? Welch glänzendes Zeugniß für den Gesundheitszustand unserer Stadt!“

„Berufen Sie mein Glück nicht!“ erwiderte Doktor Stein, „ich bin selbst ganz erstaunt über diesen Ausnahmezustand, und habe zu Hause Befehl gegeben, mich für alle, außer die dringendsten Fälle, zu verleugnen. Da ist übrigens mein letzter Ball gemacht, Schrader, für heute sind wir quitt!“

Er warf die Queue auf das Billard, trat zum Tisch und schenkte sich ein.

„Und nun,“ sagte er, sich einen Stuhl heranziehend, „erzählen Sie vom Verlobungsfest, Raven, das ist ja interessant!“

„Ja, ja,“ riefen die Anderen durcheinander, „erzählen Sie, wie war das Arrangement, und wie benahm sich das Brautpaar?“

„Das Arrangement war tadellos, wenn Sie das Büffet meinen,“ sagte Raven, „es hatte nur wieder den alten Erting’schen Fehler, weniger wäre mehr gewesen! Ich bitte Sie, für eine Gesellschaft von zwanzig Personen ein Souper wie bei Hofe, Sect in Strömen — nun, wir können es ja haben!“

„Und das Brautpaar?“

„Der Bräutigam war still, ängstlich und gutmüthig wie immer, die Mama soufflirte ihm beständig! Er glaubte, seinen Geschmack durch seine Wahl genügend bewiesen zu haben, und hatte sich im Uebrigen nicht mit dem Artikel angestrengt, brillantne Vorstecknadel und mehr Ringe wie Finger! Nachdem mich ein schaudernder Blick darüber belehrt hatte, war ich unfähig, noch einmal hinzusehen. Die Alteration konnte mir schaden, man muß auch an sich selbst denken!“

„Sie sind ein malitiöser Mensch,“ sagte der Doktor. „Ludwig Erting ist ein guter, anständiger Kerl, der sich immer als solcher benehmen wird, wenn ihm auch die Lächerlichkeiten seiner Mutter ankleben. Wäre er innerlich anders, so würde Edith Brandau ihm auch nie ihr Jawort gegeben haben, verlassen Sie sich darauf!“