„Ihr Bruder? Nun, Edith, das ist wohl ein wenig sanguinisch! Wenn ich als Kaufmann nichts von Landwirthschaft verstehe, wird ein so lebenslustiger Husarenlieutenant wohl auch kein Held darin sein!“

„Man hat aber öfter den Fall gehabt, daß aus einem Husarenlieutenant ein Gutsbesitzer wurde, als aus einem Kaufmann. Uebrigens sind Sie nicht Kaufmann — können Sie denn nie vergessen, daß Sie dazu erzogen wurden?“

„Gewiß nicht!“ entgegnete er mit einiger Energie, „meine Neigungen und Interessen ziehen mich zum Handelsstand, und wenn ich Ihnen auch mit Freuden das Opfer bringe, demselben zu entsagen, so bin ich doch weit davon entfernt, mich zu gut für einen Stand zu halten, dem mein Vater seinen Reichthum und unsere ganze Familie ihre Stellung verdankt.“

Sie blieb stehen.

„Sie sind ein ehrlicher Mensch, Ludwig,“ sagte sie, und gab ihm die Hand, „und das habe ich gern! Seien Sie nicht böse, daß ich Sie hart anließ, mir ist heut so grenzenlos nervös zu Muthe und ich habe Ihnen ja von Anfang an gesagt, daß Sie kein leichtes Leben mit mir haben werden!“

Edith war bezaubernd, wenn sie liebenswürdig sein wollte und Erting, der meist mehr Furcht vor seiner Braut empfand, als Liebe zu ihr — hatte er sie doch zumeist auf den Wunsch seiner Mutter gewählt — vermochte sich diesem Zauber auch nicht zu entziehen. Er beugte sich über die schöne Hand, die seinen Ring trug, und führte sie an die Lippen, das einzige Vorrecht, das ihm die Etikette im Brandau’schen Hause und besonders die einschüchternde, kühle Freundlichkeit Ediths während des Brautstandes gestattete.

Eine kleine, von Seiten Ertings etwas verlegene Pause folgte, die er endlich unterbrach, indem er seine Absicht aussprach, jetzt nach der Stadt zurückzukehren, da er den Abend noch eine Versammlung zu besuchen habe.

„Darf ich vor Sonntag noch einmal herauskommen?“ fragte er, als er sich am Parkeingang von Edith verabschiedete.

Eine leise Enttäuschung flog über ihr Gesicht.

„Gewiß,“ sagte sie dann, indem sie einen kleinen Tannenzweig zerpflückte, und die einzelnen feinen Nadeln zerstreut in die Luft warf, „kommen Sie, so oft Sie wollen, aber erwarten Sie nicht zu viel von meiner Gesellschaft zu haben, ich genieße noch die Waldeinsamkeit und meine schönen, langen Ritte — und dann sind wir auch sehr fleißig jetzt — aber wie gesagt, kommen Sie nur!“