„Ja und nein,“ sagte er, während er den Zorn niederzukämpfen suchte, den ihr kalter Ton in ihm anfachte, „ich verstehe Sie, Edith — in dürren Worten, Erting hat Ihrem Stiefbruder die Schulden bezahlt, und dafür sind Sie seine Braut geworden. Hölle und Teufel,“ rief er plötzlich, und schleuderte sein Gewehr, mit dem er gedankenlos gespielt hatte, in jäh ausbrechender Wuth weit von sich, daß es mit dumpfem Klange auf den Boden schlug, „daß ich hier stehen soll, ich vor allen Menschen auf der ganzen Erde, und mit Ihnen Ihre Verlobungsgeschichte verhandeln, Edith — das ist mehr als ich ertragen kann. Machen Sie ein Ende, sage ich, machen Sie ein Ende, meine Geduld hat ihre Grenzen!“

„Und worin soll dies Ende bestehen?“ frug sie, während sie ihn unverwandt ansah. Wie gefiel er ihr in seinem urwüchsigen Zorn!

„Sie sollen mir sagen, daß ich ihn, oder mich, oder Sie niederschießen darf, daß diese ganze Brautschaft ein widerwärtiges, tolles Puppenspiel ist, und Sie mir doch im Grunde treu geblieben sind, trotz aller Ihrer schönen Reden.“

Sie trat einen Schritt auf ihn zu.

„Gerald, Gerald!“ sagte sie in halb traurigem, halb leichtem Ton, und legte ihre kleine Hand auf seinen Arm, „ich habe doch mehr gelernt, als Sie in den fünf Jahren, mein alter Spielkamerad! Man kommt mit solchen Sturmesflügeln nicht durch die Welt, glauben Sie es nur! Mir hat das Leben die Schwungfedern schon geknickt, eine nach der andern, und ich habe es ganz hübsch begriffen, daß man sich in Unabänderliches fügen muß. Aber Sie, wie Sie da vor mir stehen, und mit dem Fuß aufstampfen, ist es mir gerade, als wären wir um zehn Jahre jünger, und spielten hier im Walde „Räuber und Prinzessin!“ Sie sind wirklich noch ganz derselbe —“

„Der vor fünf Jahren aus dem Stubenarrest entwischte, und seine Carrière in die Luft fliegen ließ, um Edith Brandau einen Cotillonstrauß zu bringen. Sie mögen Recht haben,“ sagte er spöttisch, „nun, Sie haben ja Ruhe für uns Beide, ich könnte darin viel von Ihnen lernen! Für heut ist wohl aber die Lektion beendet, ja? Ich darf mich empfehlen, und Sie gehen ins Schloß zurück, Erting kommt doch gewiß zum Thee, ich will Sie nicht aufhalten, Comtesse!“

Er nahm seinen Hut auf, und ging mit tiefer Verbeugung. Als er einige Schritte gethan hatte, rief Edith zögernd: „Gerald!“

Er wandte sich hastig um.

„Ihr Gewehr, Baron Rüdiger — und Sie haben mir nicht Lebewohl gesagt!“

Er kam langsam näher und hob das Gewehr vom Boden auf, dann stützte er sich darauf und blieb einen Augenblick stehen.