„Edith,“ sagte er hart und kalt, „hüten Sie sich vor mir! Wie wir Beide uns kennen, taugt es nicht, wenn Sie mit mir spielen wollten, wie damals, wo ich für ein freundliches Gesicht von Ihnen bis ans Ende der Welt gelaufen wäre. Ich bin zu alt dazu, Edith, und es könnte Ihnen doch einmal verzweifelt schlecht gefallen, wenn ich Ernst aus dem Spiel machen wollte! Ich habe noch ein gutes Theil Wildheit in mir, lassen Sie mich lieber in Frieden — es ist für uns Beide, und für Ihre Porzellanpuppe von Bräutigam besser, wenn ich andere Wege gehe! Und nun, gute Nacht Edith!“

Er streckte ihr die Hand hin, sie nahm sie nicht.

„Nein, Gerald,“ sagte sie weich und traurig, „gehen Sie nicht so im Zorn von mir fort! Ich habe vorhin, weil ich gekränkt war, nicht bedacht, daß auch Sie im Augenblick etwas zu verwinden hatten, wollen wir uns nicht gegenseitig verzeihen, Gerald? Es ist doch wahrscheinlich, daß uns die nahe Nachbarschaft hier jetzt bisweilen zusammenführt, sollen wir, zwei so getreue Kameraden von einstmals, dann fremd und kalt an einander vorbeigehen? Ich bin ja ohnehin nicht mehr lange hier —“

Eine heftige Bewegung flog über ihr Gesicht und plötzlich brach ein Strom von heißen Thränen aus ihren Augen, der zur Genüge bewies, daß die Ruhe der letzten Stunden erkünstelt gewesen.

„Edith, was thun Sie?“ rief er, wie außer sich, und streckte die Arme nach ihr aus. Aber sie hatte sich schon gefaßt, und wies ihn mit einem energischen Kopfschütteln zurück.

„Gerald, verstehen Sie mich recht,“ sagte sie fest im Ausdruck, wenn auch die Stimme noch bebte, „ich schäme mich dieser Thränen nicht, sie waren ein Tribut an unsre schöne, lustige, traurige Vergangenheit, die uns ja doch kein Mensch rauben kann! Aber wir leben in der Gegenwart, Gerald, und dürfen nur danach fragen, ob wir recht thun, nicht ob es uns gefällt! Dazu helfe mir Gott — und Sie, mein alter Kamerad, Sie werden mir dabei gewiß nicht hinderlich sein wollen! Gute Nacht Gerald!“

Und während er noch erregt und zweifelnd stand, ohne ihr zu antworten, verließ sie ihn, und ging nach dem Park zurück. Der höher und höher steigende Herbstnebel schien, wie ein wallendes Meer, sie in sich aufzunehmen, und als er sich hinter der verschwindenden Gestalt, einem grauen Vorhang gleich, zusammen schloß, da erst empfand es Gerald mit wildem Schmerz, daß er sie wirklich und unwiederbringlich verloren habe!


Gott schütz’ Dich vor dem ungeschlachten,
Ohn Maßen groben Cavalier!

Der große Wohlthätigkeitsbazar, der unter dem Protectorat der Fürstin von T... alljährlich zum Besten eines von ihr gegründeten Krankenhauses stattfand, wurde in diesem Jahre bei Lampenlicht abgehalten, wie böse Zungen behaupteten, weil der Teint der hohen Frau nicht mehr so ganz dem Tageslicht Probe hielt, wie in früheren Zeiten.